Risiken bei Nullzins-Angeboten: Was das Kleingedruckte wirklich bedeutet
Nov, 28 2025
Ein Nullzinsangebot klingt wie ein Geschenk: Keine Zinsen, keine Kosten, einfach kaufen und abbezahlen - ohne dass sich dein Geldbeutel bemerkbar macht. Aber wer glaubt, dass das wirklich gratis ist, der schaut nur auf die Werbung. Das Kleingedruckte, das du beim Unterschreiben kaum liest, kann dich später teuer zu stehen kommen - und zwar viel teurer, als du denkst.
Was passiert, wenn die Nullzinsphase endet?
Die meisten Nullzinsangebote sind zeitlich begrenzt. Typisch sind 12, 24 oder 36 Monate, in denen du nur die Raten für das Produkt zahlst - ohne zusätzliche Zinsen. Das klingt toll. Aber was danach kommt, wird oft verschwiegen. Nach Ablauf der Förderphase wird der vertragliche Zinssatz aktiviert. Und der ist oft nicht mehr niedrig. Er ist hoch. Manchmal so hoch, dass du plötzlich doppelt so viel zahlst wie vorher.Stell dir vor, du kaufst einen Küchenblock für 8.000 Euro mit 0 % Zinsen über 24 Monate. Deine Rate: 333 Euro im Monat. Nach zwei Jahren ist die Nullzinsphase vorbei. Jetzt wird der Restbetrag auf 48 Monate umgelegt - mit einem Zinssatz von 8,9 %. Deine neue Rate? 214 Euro - plus 150 Euro Zinsen. Plötzlich zahlst du 364 Euro statt 333 Euro. Das sind 31 Euro mehr pro Monat. Über vier Jahre sind das über 1.500 Euro Extra. Und das, obwohl du dachtest, du hast nur das Produkt bezahlt.
Diese Rechnung ist nicht selten. Banken und Händler nutzen das Kleingedruckte bewusst: Sie zeigen dir die niedrige Anfangsrate, verstecken aber die Zinskalkulation für die Nachfinanzierung. Die Zinsen werden nicht einfach aufgeschlagen - sie werden auf den gesamten Restbetrag angerechnet, oft mit hohen Sollzinsen. Und du hast keine Möglichkeit, das zu ändern, sobald du unterschrieben hast.
Warum ist das Kleingedruckte so gefährlich?
Das Kleingedruckte ist kein Zufall. Es ist ein geschicktes Design. Hier sind die drei häufigsten Fallen:- Versteckte Zinsen in der Gesamtsumme: Ein Angebot sagt "0 % Zinsen", aber die Kosten werden in den Verkaufspreis eingerechnet. Der Küchenblock kostet 8.000 Euro - aber ohne Finanzierung wäre er nur 7.200 Euro. Du zahlst also 800 Euro mehr, nur weil du auf die "Nullzins"-Werbung hereingefallen bist.
- Automatische Verlängerung: Viele Verträge laufen automatisch in eine teure Nachfinanzierung über, wenn du nicht rechtzeitig handelst. Du bekommst keine Erinnerung. Du musst selbst daran denken, den Vertrag zu kündigen oder umzuschreiben - sonst zahlt die Bank weiter, mit Zinsen.
- Hohe Sanktionen bei Zahlungsverzug: Wenn du nur eine Rate verspätet zahlst, kann die Bank die gesamte Nullzinsförderung streichen. Dann werden alle Zinsen rückwirkend fällig - inklusive Zinseszinsen. Das kann dich schnell in eine Schuldenfalle treiben.
Ein echter Fall aus Dresden: Eine Kundin kaufte 2023 einen Fernseher mit 0 % Zinsen über 36 Monate. Sie verlor ihren Job nach 18 Monaten. Weil sie eine Rate nicht zahlen konnte, wurde die Nullzinsbedingung aufgehoben. Sie musste plötzlich 1.200 Euro Zinsen nachzahlen - auf einen Betrag, den sie schon fast abbezahlt hatte. Sie hat den Fernseher nie zurückgegeben - aber sie musste 3.000 Euro für ein Gerät bezahlen, das 1.800 Euro gekostet hat.
Wie du dich vor den Fallstricken schützt
Du musst nicht auf Nullzinsangebote verzichten. Aber du musst sie richtig lesen. Hier ist, was du tun solltest:- Frage nach der Gesamtbelastung: "Wie viel zahle ich insgesamt, wenn ich die volle Laufzeit abbezahle?" - nicht nur die Rate. Der Händler muss dir das sagen. Wenn er nicht antwortet, geh weg.
- Verlange den effektiven Jahreszins (EJZ): Der EJZ ist der einzige verlässliche Wert. Er zeigt dir, wie teuer das Angebot wirklich ist - auch wenn es "0 %" heißt. Wenn der EJZ nach der Förderphase über 6 % liegt, ist es kein Schnäppchen.
- Prüfe die Kündigungsfrist: Kannst du den Vertrag vor Ablauf der Förderphase kündigen? Und wenn ja, wie? Manche Verträge erlauben das nur mit Strafzahlungen - das ist ein Warnsignal.
- Rechne nach: Was wäre, wenn du bar zahlen würdest? Vergleiche den Verkaufspreis mit dem, was du bei einem anderen Händler ohne Finanzierung zahlen würdest. Oft ist der "Nullzins"-Preis höher - und du zahlst den Unterschied in Form von Zinsen.
- Prüfe, ob du die Raten wirklich leisten kannst: Berechne, was nach Ablauf der Nullzinsphase auf dich zukommt. Stell dir vor, du verlierst deinen Job oder die Heizkosten steigen. Kannst du dann noch die höhere Rate zahlen?
Was passiert, wenn du nicht mehr zahlen kannst?
Viele Menschen denken: "Ich kann ja den Fernseher zurückgeben, wenn es zu teuer wird." Aber das funktioniert selten. Die meisten Verträge sehen vor, dass du das Produkt behalten musst - auch wenn du es nicht mehr bezahlen kannst. Die Bank verlangt weiterhin die Zahlung. Und wenn du nicht zahlst, kommt die Inkasso-Abteilung. Dein Schufa-Eintrag ist dann schon nach zwei ausstehenden Raten gefährdet.Im schlimmsten Fall wird der Vertrag aufgelöst - und du zahlst nicht nur die Zinsen, sondern auch noch eine Rückgabekostenpauschale. Oder die Bank verlangt, dass du den Restbetrag sofort begleichst. Keine Raten, kein Zeitpuffer. Das ist kein "Rückgaberecht" - das ist eine Falle.
Ein Beispiel: Ein Kunde in Leipzig kaufte 2024 eine Waschmaschine mit 0 % Zinsen über 36 Monate. Nach 14 Monaten verlor er seine Wohnung und musste umziehen. Er konnte die Raten nicht mehr zahlen. Die Bank verlangte den Restbetrag von 4.200 Euro sofort. Er hatte keine Möglichkeit, das zu leisten. Sein Schufa-Eintrag wurde negativ - und er bekam keinen neuen Kredit mehr, auch nicht für eine neue Wohnung.
Warum sind Nullzinsangebote so beliebt - und warum sind sie so riskant?
Händler lieben Nullzinsangebote, weil sie den Umsatz steigern. Du kaufst mehr, weil du denkst, du sparst. Aber die Händler verdienen an zwei Stellen: Am Produkt - und an den Zinsen, die du später zahlst. Die Bank verdient an den Zinsen. Du zahlst am Ende mehr - und hast das Gefühl, du hast gespart.Das ist das große Paradoxon: Der Preis ist nicht niedriger. Der Zins ist nicht null. Du zahlst nur später - und mit Zinsen. Und die Zinsen werden oft so hoch angesetzt, dass sie die gesamte Ersparnis auffressen - oder sogar übersteigen.
Die Finanzwelt hat sich verändert. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins seit 2023 kontinuierlich erhöht. Heute liegt er bei 4 %. Das bedeutet: Banken müssen mehr zahlen, um Geld zu leihen. Und das geben sie an dich weiter - auch bei vermeintlich "kostenlosen" Angeboten. Die Niedrigzinsphase ist vorbei. Was früher 2 % Zinsen waren, sind heute 7 % oder mehr. Und das wird im Kleingedruckten nicht erwähnt.
Was du stattdessen tun kannst
Wenn du ein Produkt brauchst, aber keine Zinsen zahlen willst, gibt es bessere Wege:- Bar zahlen: Spar ein paar Monate und kaufe dann. Du sparst nicht nur Zinsen - du vermeidest auch die Risiken.
- Privatkredit mit niedrigem Zins: Vergleiche Angebote von Banken oder Genossenschaften. Oft bekommst du 4-5 % Zinsen - und du hast volle Kontrolle über die Laufzeit.
- Finanzierung über deinen Hausbank: Wenn du ein gutes Konto hast, frage nach einem Ratenkredit. Die Zinsen sind oft niedriger als bei Händlerfinanzierungen - und du kannst ihn vorzeitig tilgen, ohne Strafe.
- Second-Hand kaufen: Ein gebrauchter Kühlschrank, ein gebrauchter Fernseher - oft fast neu, für die Hälfte des Preises. Keine Zinsen. Kein Risiko.
Die meisten Menschen denken: "Ich habe doch nichts zu verlieren, wenn ich die Raten zahle." Aber du verlierst etwas: deine finanzielle Freiheit. Du bist an einen Vertrag gebunden, der dich teuer bezahlen lässt - und du hast keine Kontrolle mehr. Das ist kein Vorteil. Das ist eine Falle.
Was du bei der Vertragsunterzeichnung immer prüfen musst
Bevor du unterschreibst, lies diese fünf Punkte im Vertrag:- Wie lange läuft die Nullzinsphase? 12, 24 oder 36 Monate? Das ist entscheidend.
- Was passiert danach? Welcher Zinssatz gilt? Ist er fix oder variabel? (Meist: variabel - und hoch.)
- Wie wird der Restbetrag berechnet? Wird er auf eine neue Laufzeit umgelegt? Und wie viele Monate? Je länger, desto mehr Zinsen.
- Wie hoch sind die Strafen bei Zahlungsverzug? Werden Zinsen rückwirkend fällig? Ist eine Kündigung möglich?
- Was steht im Kleingedruckten über die Gesamtbelastung? Steht dort ein Betrag, den du vorher nicht wusstest?
Wenn du diese Fragen nicht beantwortet bekommst - geh nicht nach Hause mit dem Produkt. Geh mit deinem Geld zurück.
Frequently Asked Questions
Ist ein Nullzinsangebot überhaupt sinnvoll?
Ein Nullzinsangebot ist nur sinnvoll, wenn du den gesamten Betrag innerhalb der Förderphase vollständig abbezahlen kannst - und du sicher bist, dass du das auch schaffst. Wenn du die Raten über die volle Laufzeit zahlen musst, ist es fast immer teurer als eine normale Finanzierung mit niedrigem Zins. Die meisten Menschen unterschätzen, wie viel sie nach Ablauf der Nullzinsphase zahlen müssen.
Kann ich die Nullzinsphase verlängern?
Manchmal ja - aber meist nur gegen hohe Gebühren oder einen neuen Vertrag mit schlechteren Konditionen. Die meisten Händler bieten keine Verlängerung an, weil sie darauf hoffen, dass du in die teure Nachfinanzierung hineinrutschst. Frag lieber bei deiner Bank nach einem günstigeren Ratenkredit - der ist oft besser.
Was passiert, wenn ich den Vertrag kündige?
Wenn du den Vertrag kündigst, musst du oft den gesamten Restbetrag sofort zahlen - inklusive aller Zinsen, die bis dahin anfallen würden. Manche Verträge erlauben eine Kündigung nur mit einer Strafgebühr. Lies die Kündigungsbedingungen genau. Oft ist es günstiger, weiterzuzahlen, als plötzlich alles auf einmal zu bezahlen.
Warum wird mir der effektive Jahreszins nicht gesagt?
Weil er oft sehr hoch ist - und das Angebot dann nicht mehr attraktiv wirkt. Händler sind verpflichtet, den EJZ zu nennen, aber sie tun es oft erst am Ende des Verkaufsgesprächs - oder in einem kleinen, schwer lesbaren Text. Wenn du ihn nicht verlangst, bekommst du ihn nicht. Frag ihn immer als Erstes.
Kann ich das Produkt zurückgeben, wenn es zu teuer wird?
Nein - zumindest nicht ohne Konsequenzen. Die meisten Verträge sehen vor, dass du das Produkt behalten musst, auch wenn du nicht mehr zahlen kannst. Du kannst es nicht einfach zurückbringen, wie bei einer Online-Bestellung. Du zahlst weiter - oder du bekommst einen negativen Schufa-Eintrag. Rückgaberecht gilt hier nicht.
Stephan Viaene
November 29, 2025 AT 23:39Interessant, aber ich hab’s trotzdem gemacht. Warum? Weil ich’s brauchte und kein Geld hatte. Jetzt zahle ich mehr, aber wenigstens hab’ ich die Küche.