Green Leases in Gewerbeimmobilien: Klauseln, Vorteile und Praxis

Green Leases in Gewerbeimmobilien: Klauseln, Vorteile und Praxis Feb, 25 2026

Stell dir vor, du mietest ein Bürogebäude - und statt nur über Miete und Nebenkosten zu verhandeln, geht es auch um Stromverbrauch, Abfalltrennung und die Art der Reinigungsmittel. Das ist kein Traum, sondern Realität: Green Leases werden in Österreich und Deutschland immer wichtiger. Sie sind keine neue Rechtsform, sondern spezielle Klauseln im Mietvertrag, die Mieter und Vermieter dazu verpflichten, gemeinsam die Umweltbilanz des Gebäudes zu verbessern. Und das bringt beiden Seiten echte Vorteile.

Was ist ein Green Lease wirklich?

Ein Green Lease ist kein komplett neuer Vertrag. Er ist ein herkömmlicher Gewerbe-Mietvertrag, der mit klaren, messbaren Nachhaltigkeitszielen ergänzt wird. Es geht nicht darum, dass der Vermieter nur ein grünes Dach aufsetzt oder der Mieter ein paar Pflanzen auf den Flur stellt. Es geht um Verpflichtungen, die beide Seiten einhalten müssen. Die Initiative greenLease, die 2012 von führenden deutschen Immobilienunternehmen gegründet wurde, hat 50 konkrete Regelungsempfehlungen formuliert. Dazu gehören zum Beispiel: der Einsatz umweltfreundlicher Baustoffe bei Schönheitsreparaturen, Vorgaben für maximalen Energie- und Wasserverbrauch, oder die Pflicht, Verbrauchsdaten regelmäßig auszutauschen.

Ein typisches Beispiel: Ein Mieter will seine Büros umgestalten. Ohne Green Lease könnte er einfach teure, nicht recycelbare Trennwände einbauen. Mit Green Lease muss er prüfen, ob es nachhaltige Alternativen gibt - und der Vermieter kann ihn dabei unterstützen. Beide profitieren: der Vermieter hat ein moderneres, wertvolleres Gebäude, der Mieter spart langfristig bei den Nebenkosten.

Welche Klauseln sind wirklich wichtig?

Nicht jede grüne Idee ist praktikabel. Die wirksamsten Klauseln sind die, die messbar und umsetzbar sind. Hier sind die drei wichtigsten, die du in jedem Green Lease finden solltest:

  • Datenaustausch bei Verbrauchswerten: Energie, Wasser, Abfall - alles muss transparent sein. Der Vermieter liefert die Gesamtverbräuche des Gebäudes, der Mieter teilt seine Nutzung mit. So kann man sehen, wo Einsparpotenziale liegen. Ohne Daten ist Nachhaltigkeit nur ein Wort.
  • Zusammenarbeit bei Modernisierungen: Wer zahlt, wenn der Mieter eine energieeffiziente Beleuchtung einbauen will? Der Vermieter muss mitwirken, sonst bleibt alles beim Alten. Ein Green Lease regelt, wer was bezahlt und wie die Kosten aufgeteilt werden - oft über eine langfristige Amortisation.
  • Zertifizierungen und ihre Folgen: Wenn das Gebäude LEED oder DGNB zertifiziert ist, wer sorgt dafür, dass die Zertifizierung nicht verloren geht? Ein Mieter, der ständig die Lüftung abschaltet, gefährdet die Zertifizierung. Der Vertrag muss klären: Was passiert, wenn einer der beiden Parteien gegen die Regeln verstößt?

Einige Klauseln klingen banal, aber sie haben Wirkung. Beispiel: Die Verpflichtung, nur umweltfreundliche Reinigungsmittel zu verwenden. Klingt nach Kleinigkeit? In einem 10.000 m²-Gebäude mit 500 Mitarbeitern spart das pro Jahr Tausende Liter Chemie - und schont die Luftqualität im Gebäude. Das hat Auswirkungen auf die Gesundheit der Mitarbeiter - und damit auf ihre Produktivität.

Warum profitieren beide Seiten?

Ein Green Lease ist kein Aufwand, sondern eine Investition - für beide. Der Vermieter bekommt einen Mieter, der das Gebäude besser pflegt, länger bleibt und weniger Schäden verursacht. Der Mieter spart Geld: weniger Energie, weniger Wasser, weniger Abfallgebühren. In vielen Fällen sinken die Nebenkosten um 10 bis 15 % innerhalb von zwei Jahren.

Aber es geht nicht nur um Geld. Unternehmen, die ESG-Ziele haben - also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung - brauchen Nachweise. Ein Green Lease ist ein klarer Beleg dafür, dass du deine Immobilie nachhaltig nutzt. Das macht dich attraktiv für Investoren, Kunden und Talente. Wer heute einen Mietvertrag unterschreibt, der ohne grüne Klauseln ist, läuft Gefahr, in ein veraltetes System zu passen. Denn Experten wie JLL oder ZIA sagen: Bis 2030 wird es in Deutschland gesetzliche Vorgaben geben. Wer jetzt nicht vorbereitet ist, hat später höhere Kosten.

Vergleich zwischen einem veralteten Büro und einem nachhaltigen Green Lease-Gebäude mit Symbolen für Energieeinsparung und Recycling.

Wo liegt der Unterschied zu herkömmlichen Verträgen?

Ein normaler Mietvertrag sagt: Du zahlst Miete, du hältst das Gebäude sauber, du gibst es in gutem Zustand zurück. Punkt. Ein Green Lease sagt: Du zahlst Miete, du hilfst uns, den Energieverbrauch zu senken, du dokumentierst deine Verbräuche, du arbeitest mit uns zusammen, wenn wir das Dach sanieren. Es ist ein gemeinsamer Auftrag.

Das ist der große Unterschied: Es geht nicht mehr um Rechte und Pflichten, sondern um Verantwortung. Der Vermieter ist nicht mehr nur der Eigentümer, sondern ein Partner. Der Mieter ist nicht mehr nur der Nutzer, sondern ein Mitgestalter. Und das schafft Vertrauen. Unternehmen, die so zusammenarbeiten, bleiben länger im Gebäude - die Kündigungsrate sinkt.

Warum gibt es das nur für Gewerbeimmobilien?

Das ist eine wichtige Frage. In Wohnungen gibt es keine Green Leases - zumindest noch nicht. Warum? Weil es hier keine klaren Verantwortlichkeiten gibt. Wer entscheidet, ob die Heizung auf 20 oder 22 Grad steht? Der Mieter. Wer bezahlt die neue Isolierung? Der Vermieter. Aber wer zahlt, wenn der Mieter die Heizung runterdreht und dadurch die Zertifizierung des Hauses gefährdet? Niemand. Es ist ein Rechtschaos.

Bei Gewerbeimmobilien ist das anders. Da gibt es klare Verantwortliche: der Vermieter für das Gebäude, der Mieter für die Nutzung. Beide können sich auf einen Vertrag einigen. In Wohnungen wäre das viel komplizierter - und das ist der Grund, warum grünes Wohnen heute noch in den Händen jedes Einzelnen liegt. Aber das könnte sich ändern. Die Diskussionen laufen bereits.

Was kommt als Nächstes? Green Lease 2.0

Die alte Version des Green Lease konzentrierte sich auf Energie und Ressourcen. Die neue Version - Green Lease 2.0 - geht weiter. Sie integriert nicht nur Umwelt, sondern auch Soziales und Governance - also ESG. Das bedeutet: Neben Stromverbrauch und Recycling geht es jetzt auch um:

  • Arbeitsbedingungen im Gebäude (z. B. Lärm, Luftqualität, Tageslicht)
  • Barrierefreiheit und Inklusion
  • Transparenz bei Lieferketten (z. B. wer liefert die Möbel?)
  • Klare Verfahren, wenn jemand gegen die Klauseln verstößt

Das ist kein Zufall. Die EU-Kommission und die österreichische Bundesregierung arbeiten an neuen Vorgaben für Immobilien. Wer jetzt mit Green Lease 2.0 beginnt, ist nicht nur voraus, sondern bereitet sich auf die Zukunft vor. Es ist wie ein Vorsorge-Vertrag für Gesetze, die noch nicht da sind.

Ein transparenter Vertrag mit grünen Symbolen schwebt zwischen einem Vermieter und Mieter, während eine grüne Stadtlandschaft im Hintergrund erscheint.

Wie fängt man an?

Du brauchst keinen Anwalt, um einen Green Lease zu schreiben. Die Initiative greenLease bietet kostenlose Vorlagen als PDF an. Du musst nur die passenden Klauseln auswählen. Wichtig ist: Sprich mit deinem Mieter oder Vermieter. Mach es nicht zu einer Forderung - sondern zu einer gemeinsamen Chance. Frag: Was würdest du gern verbessern? Wo siehst du Einsparpotenziale? Was ist dir wichtig?

Ein kleiner Tipp: Beginne mit einer Klausel, die leicht umzusetzen ist. Zum Beispiel: "Beide Parteien verpflichten sich, jährlich die Verbrauchsdaten von Strom und Wasser auszutauschen und gemeinsam einen Einsparplan zu erstellen." Das kostet nichts, braucht wenig Zeit und zeigt: Wir nehmen das ernst. Danach kannst du Schritt für Schritt mehr hinzufügen.

Was passiert, wenn es nicht funktioniert?

Ein Green Lease ist kein Gesetz. Er ist ein Vertrag. Und wie jeder Vertrag kann er auch missachtet werden. Deshalb ist es wichtig, klare Konsequenzen zu formulieren. Was passiert, wenn ein Mieter die Lüftung ständig abschaltet? Was passiert, wenn der Vermieter die Dämmung nicht erneuert? Ein guter Green Lease enthält einen "Sanierungsplan" - also einen Zeitplan, wie Probleme gelöst werden. Und er definiert, was passiert, wenn es nicht funktioniert: z. B. eine schriftliche Warnung, dann ein Treffen mit einem unabhängigen Mediator, dann möglicherweise eine Kündigung.

Das klingt streng? Ja. Aber es ist fair. Ohne Konsequenzen wäre es nur ein schönes Papier. Mit Konsequenzen wird es zur echten Veränderung.

Die Zukunft ist grün - und sie beginnt mit dem Mietvertrag

Die Immobilienbranche ist für rund 40 % der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Das ist kein Mythos, das ist Statistik. Und die meisten Emissionen entstehen nicht beim Bauen, sondern während der Nutzung. Deshalb ist der Mietvertrag der wichtigste Hebel. Ein Green Lease ist kein Bonus, kein Marketing-Gimmick. Er ist der einfachste Weg, um echte Klimaziele zu erreichen - ohne neue Gebäude zu bauen, ohne Millionen zu investieren. Nur mit klugen Verträgen.

Wer heute in Graz, Wien oder Linz eine Gewerbeimmobilie mietet, der hat die Wahl: Entweder er unterschreibt wie vor 20 Jahren - oder er nimmt die Chance, etwas zu verändern. Und das ist nicht nur gut für die Umwelt. Es ist gut für die Bilanz. Gut für den Ruf. Gut für die Mitarbeiter. Und gut für die Zukunft.

Was ist der Unterschied zwischen einem Green Lease und einer Zertifizierung wie DGNB?

Eine Zertifizierung wie DGNB oder LEED bewertet das Gebäude als Ganzes - also Bauweise, Dämmung, Energieeffizienz. Ein Green Lease regelt, wie das Gebäude genutzt wird. Eine Zertifizierung sagt: "Das Gebäude ist gut gebaut." Ein Green Lease sagt: "Du nutzt es auch gut." Beides zusammen ist der Goldstandard. Ohne Green Lease kann eine Zertifizierung schnell verloren gehen - wenn Mieter die Heizung abschalten oder die Lüftung ignorieren.

Kann ich einen Green Lease auch nachträglich einfügen?

Ja, das ist möglich - aber nur, wenn beide Parteien zustimmen. Du kannst einen bestehenden Mietvertrag mit einer Ergänzung (Anlage oder Nebenvereinbarung) erweitern. Wichtig ist: Du musst die Klauseln gemeinsam aushandeln. Einseitige Forderungen funktionieren nicht. Am besten beginnst du mit einer kleinen, messbaren Änderung - wie dem Austausch von Verbrauchsdaten - und baust dann nach und nach mehr aus.

Gibt es in Österreich gesetzliche Vorgaben für Green Leases?

Nein, aktuell nicht. Österreich hat keine gesetzliche Pflicht für Green Leases - genauso wie Deutschland. Aber die EU-Richtlinie über die Energieeffizienz von Gebäuden (EPBD) verlangt ab 2027, dass alle neuen Mietverträge Informationen über die Energieeffizienz enthalten. Das ist der erste Schritt in Richtung gesetzlicher Regelung. Wer jetzt einen Green Lease einführt, ist auf dem richtigen Weg - und bereitet sich auf die Zukunft vor.

Welche Kosten entstehen durch einen Green Lease?

Die Kosten sind minimal. Du brauchst keine teuren Berater. Die Vorlagen von greenLease sind kostenlos verfügbar. Die einzigen Kosten entstehen, wenn du Messgeräte installierst oder eine gemeinsame Schulung für Mitarbeiter organisiert. Aber diese Kosten werden durch die eingesparten Nebenkosten innerhalb von 1-2 Jahren wieder eingespielt. Langfristig sparen Vermieter und Mieter Geld - und das ist der Hauptvorteil.

Wie viele Unternehmen in Österreich nutzen bereits Green Leases?

Es gibt keine offiziellen Zahlen für Österreich, aber aus Deutschland wissen wir: Mehr als 60 % der größten Immobilienunternehmen setzen Green Leases bereits ein. In Österreich folgt die Branche ähnlich. Vor allem Banken, Versicherungen und große Dienstleister, die ESG-Berichte veröffentlichen, nutzen sie. In Wien und Graz sind sie mittlerweile Standard bei Neumietungen in modernen Bürogebäuden. Wer nicht mitmacht, fällt auf - und zwar negativ.

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