Schädlingsbefall in alten Häusern erkennen und wirksam beseitigen

Schädlingsbefall in alten Häusern erkennen und wirksam beseitigen Jan, 14 2026

Ein altes Haus hat Charme - aber auch Geheimnisse. Unter den Dielen, hinter den Wänden, in den Balken des Dachstuhls kann sich ein Schädlingsbefall verstecken, der erst sichtbar wird, wenn es fast zu spät ist. Viele Hausbesitzer merken erst dann etwas, wenn sie Sägemehl auf dem Boden finden oder ein leises Knacken aus der Wand hören. Doch bis dahin hat der Schädling oft schon Jahre gebraucht, um die Holzkonstruktionen zu schwächen. In alten Häusern ist das Risiko besonders hoch: Holzbalken aus dem 19. Jahrhundert, unzureichende Lüftung und hohe Luftfeuchtigkeit schaffen perfekte Bedingungen für Holzwurm, Hausbock, Termiten und andere Schädlinge.

Wie erkennst du einen Schädlingsbefall?

  1. Feines Sägemehl - nicht zu verwechseln mit Staub. Wenn du kleine Häufchen aus Holzspänen unter Fensterbänken, an Balken oder in Ecken findest, ist das ein klares Zeichen. Bei Holzwürmern sind die Löcher etwa 1-2 mm groß, bei Hausbockkäfern bis zu 5 mm. Die Späne sind frisch, wenn sie sich leicht mit dem Finger zerreiben lassen.
  2. Kleine Bohrlöcher - oft nur ein paar Millimeter breit, aber tief. Sie sind die Ausgangslöcher, durch die die ausgewachsenen Insekten aus dem Holz schlüpfen. Wenn du an einem Holzbalken mehr als fünf Löcher pro Quadratmeter findest, liegt ein schwerer Befall vor.
  3. Geräusche in der Nacht - ja, du kannst Schädlinge hören. Holzwürmer und Hausbocklarven fressen nachts. Ein leises, knisterndes oder klopfendes Geräusch in der Wand oder im Dachboden ist kein Einzelfall - es ist ein Alarm.
  4. Kot und Nagespuren - bei Mäusen und Ratten sind die Hinweise einfacher: dunkle, reiskorngroße Exkremente, zerbissene Kabel, Styropor oder alte Zeitungen im Keller. Ein starker, amöbischer Geruch nach Urin ist ein weiteres sicheres Zeichen.
  5. Feuchtigkeitsspuren - wenn Holz weich, dunkel oder schimmelig wirkt, könnte der Hausschwamm dahinterstecken. Er braucht nur 20-25 % Luftfeuchtigkeit, um zu wachsen. In alten Häusern ist das oft die Folge von undichten Dächern oder schlecht isolierten Außenwänden.

Wichtig: Ein einzelnes Loch oder ein paar Späne bedeuten nicht automatisch einen großen Befall. Aber wenn du mehrere Anzeichen gleichzeitig siehst - besonders in Kombination mit einem Haus, das über 50 Jahre alt ist - dann solltest du handeln. Nicht warten. Nicht hoffen, dass es von allein verschwindet.

Welche Schädlinge sind besonders gefährlich?

Nicht alle Schädlinge sind gleich. Einige fressen nur ein paar Millimeter Holz, andere zerstören ganze Träger. Hier die drei größten Bedrohungen:

  • Holzwurm (Anobium punctatum) - der häufigste Befall in Altbauten. Er befällt beide Holzarten, Nadel- und Laubhölzer. Die Larven fressen über drei bis fünf Jahre, bis sie aus dem Holz schlüpfen. Dann ist oft schon ein Drittel des Holzes zerstört.
  • Hausbock (Hylotrupes bajulus) - der gefährlichere Bruder. Er bevorzugt Nadelhölzer wie Fichte oder Kiefer, besonders in Dachstühlen. Ein einziges Ausflugloch kann bedeuten, dass unter der Oberfläche ein ganzes Nest lebt. Seine Fraßgänge sind breiter und tiefer als die des Holzwurms.
  • Termiten - bisher selten in Deutschland, aber mit dem Klimawandel immer häufiger. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung prognostiziert bis 2030 eine Zunahme von bis zu 40 %. Termiten bauen unterirdische Gänge und fressen Holz von innen heraus. Sie hinterlassen kaum Späne - dafür aber Lehm-Gänge an Wänden oder Bodenplatten.

Die Luftfeuchtigkeit ist der entscheidende Faktor. Die meisten Holzschädlinge brauchen 15-20 % Luftfeuchtigkeit, um sich zu vermehren. In einem alten Haus mit schlechter Belüftung oder feuchten Kellern ist das oft gegeben. Ein einfacher Feuchtigkeitsmesser kann dir helfen: Wenn die Werte über 60 % liegen, wird es kritisch.

Was hilft wirklich - und was ist gefährlich?

Im Internet findest du Hunderte von Tipps: ätherische Öle, Zitronensäure, Kieselgur, Essig - alles scheinbar natürliche Lösungen. Aber die Realität ist anders. Bei einem aktiven Befall in tragenden Bauteilen ist DIY-Bekämpfung oft ein Fehler - und kann teurer werden als eine professionelle Behandlung.

Chemische Sprays - sie töten Oberflächenlarven, aber nicht die Eier oder die Tiere tief im Holz. Manche Mittel bewirken sogar das Gegenteil: Die Larven verlassen das Holz, um anderswo weiterzufressen. Und sie bleiben in der Luft - besonders gefährlich für Kinder, Haustiere und Menschen mit Atemproblemen. Ein Nutzer berichtete 2023 auf einem Forum, dass er nach einer Selbstbehandlung mit Chemikalien Kopfschmerzen und Übelkeit bekam.

Heißluftbehandlung - das ist die effektivste Methode für schwerwiegende Befälle. Die Raumtemperatur wird auf 55-60 °C erhöht und mindestens 30-60 Minuten gehalten. So werden alle Lebensstadien getötet: Eier, Larven, Puppen und erwachsene Insekten. Kein Chemie, kein Rückstand. Aber: Nur zertifizierte Profis dürfen das machen. Eine falsche Anwendung kann Holz verziehen, Putz abplatzen oder Elektrik beschädigen.

Mikrowellenverfahren - wird für einzelne Balken oder Stützen eingesetzt. Die Mikrowellen dringen bis zu 10 cm tief ins Holz und töten die Schädlinge lokal. Ideal, wenn nur ein Teil der Konstruktion betroffen ist.

Diatomeenerde (Kieselgur) - ein natürlicher Staub, der krabbelnde Insekten durch scharfe Kieselalgen-Schalen verletzt. Er wirkt langsam, aber sicher - und ist ungefährlich für Menschen und Tiere. Gut für den Keller oder als Ergänzung zu anderen Maßnahmen.

Pheromonfallen - nur bei Mottenarten wirksam. Sie locken Männchen mit Sexuallockstoffen an, die dann festgehalten werden. So können Weibchen nicht mehr befruchtet werden. Keine Wunderwaffe, aber nützlich als Frühwarnsystem.

Querschnitt eines von Holzwürmern befallenen Holzbalkens mit Larven und frischem Sägemehl.

Warum du einen Profi brauchst

Ein Schädlingsbefall ist kein Problem, das du mit einem Video von YouTube löst. Die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (DGS) sagt es klar: Bei Befall in tragenden Bauteilen muss ein Sachverständiger her. Warum?

  • Er erkennt, ob es sich um Holzwurm, Hausbock oder Termiten handelt - und das ist entscheidend für die Behandlung.
  • Er prüft die Statik. Ein Balken, der nur 10 % seines ursprünglichen Querschnitts hat, kann nicht mehr tragen.
  • Er weiß, wo die Brutstätten liegen - meist nicht da, wo die Löcher sichtbar sind.
  • Er dokumentiert den Befall - wichtig für Versicherungen und bei Verkauf des Hauses.

Die Kosten variieren stark: Eine kleine Behandlung mit Diatomeenerde kostet 150-300 Euro. Eine komplette Heißluftbehandlung im Dachstuhl eines 100 m²-Hauses liegt zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Bei schweren Termitenbefällen in historischen Gebäuden können bis zu 15.000 Euro fällig werden. Aber im Vergleich zu einem Abriss - der laut haus.de im schlimmsten Fall die einzige Lösung sein könnte - ist das ein geringer Preis.

Wie du zukünftig Schädlingsbefall verhinderst

Bekämpfen ist teuer. Vorbeugen ist billig - und einfach.

  • Lüfte regelmäßig - mindestens zweimal täglich, 10-15 Minuten quer durch die Wohnung. Das senkt die Luftfeuchtigkeit und macht das Haus unattraktiv für Schädlinge.
  • Dichtungen prüfen - Ritzen in Fensterrahmen, Türen, Wandanschlüssen und Kabeldurchführungen verschließen. Schädlinge kommen meist von außen.
  • Keller trocken halten - kein Altpapier, keine Kartons am Boden lagern. Feuchte Keller sind das Hauptquartier von Mäusen und Käfern.
  • Jährliche Inspektion - einmal im Jahr den Dachboden, den Keller und die Außenwände genau anschauen. Nutze eine Taschenlampe und einen Spiegel, um schwer zugängliche Stellen zu kontrollieren.
  • Keine Holzreste im Garten - alte Balken, Holzstapel oder Baumstümpfe neben dem Haus sind wie Einladungen für Termiten und Holzwürmer.

Ein Hausbesitzer aus Berlin berichtete, dass er nach einer jährlichen Inspektion einen frühen Hausbockbefall entdeckte - und ihn mit einer lokalen Mikrowellenbehandlung in 2 Stunden beseitigen ließ. Die Kosten: 450 Euro. Wenn er gewartet hätte, wäre es 5.000 Euro geworden.

Fachmann behandelt einen Balken mit Mikrowellen, ohne Chemikalien, in einem alten Haus.

Was kommt als Nächstes?

Die Schädlingsbekämpfung verändert sich. Seit 2020 steigt die Nachfrage nach chemiefreien Methoden um 25 %. Forscher der TU München testen gerade Sensoren, die Schädlingsgeräusche in Echtzeit erkennen - wie ein Alarm, der dich warnt, bevor du etwas siehst. In historischen Gebäuden setzen immer mehr Anbieter auf natürliche Öle, die das Holz schützen, ohne es zu beschädigen.

Der Klimawandel macht es aber schwerer. Termiten wandern nach Norden. Die Luftfeuchtigkeit steigt. Alte Häuser werden älter - und anfälliger. Wer jetzt nicht handelt, zahlt später mit dem Wert seines Hauses - oder mit der Sicherheit seiner Familie.

Kann ich einen Schädlingsbefall selbst erkennen?

Ja, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Du kannst Sägemehl, Bohrlöcher, Geräusche oder Kot sehen. Aber du kannst nicht beurteilen, wie tief der Befall ist, ob er die Statik gefährdet oder ob es sich um einen Einzelfall oder eine ganze Kolonie handelt. Das erfordert Fachwissen und Messgeräte. Wenn du mehr als drei Anzeichen findest, hole dir einen Profi.

Wann ist ein Schädlingsbefall gefährlich?

Er ist gefährlich, wenn er in tragenden Holzkonstruktionen wie Balken, Deckenbalken oder Stützen stattfindet. Ein einzelner Holzwurm ist harmlos - aber wenn 20 % des Holzes in einem tragenden Balken zerstört sind, kann er brechen. Das ist kein Theorie-Szenario - es passiert jedes Jahr in Deutschland. Laut der DGS sind 15 % aller schweren Bauvorhaben in Altbauten auf unentdeckte Schädlingsbefälle zurückzuführen.

Was kostet eine professionelle Schädlingsbekämpfung?

Die Kosten liegen zwischen 150 Euro für eine kleine Behandlung mit Kieselgur und bis zu 15.000 Euro für eine komplette Sanierung mit Heißluft in einem historischen Gebäude. Ein typischer Dachstuhl-Befall mit Hausbock kostet meist 2.500-4.000 Euro. Vergleiche immer mehrere Angebote - aber achte darauf, dass der Anbieter zertifiziert ist und eine Garantie gibt.

Ist chemische Bekämpfung verboten?

Nein, aber sie ist in historischen Gebäuden stark eingeschränkt. Viele Kommunen verlangen bei Denkmalschutzobjekten eine Genehmigung, und viele Fachleute lehnen Chemie ab, weil sie die Substanz beschädigt. Chemische Mittel dürfen nur von zugelassenen Profis angewendet werden - und nur, wenn andere Methoden nicht ausreichen.

Wie lange dauert eine Heißluftbehandlung?

Die eigentliche Behandlung dauert 30-60 Minuten, aber die Vorbereitung und Abkühlphase können bis zu zwei Tage dauern. Du musst das Haus verlassen, Möbel abdecken, Elektrik abschalten. Danach ist der Befall meist komplett beseitigt - und das ohne Chemie. Es ist die einzige Methode, die alle Lebensstadien gleichzeitig tötet.

Kann ich den Befall nach der Behandlung wiedersehen?

Wenn die Behandlung richtig durchgeführt wurde - ja, du kannst noch Löcher sehen. Aber sie sind tot. Die Löcher sind die Ausflugspuren der alten Tiere. Neue Löcher, neues Sägemehl oder Geräusche sind das einzige Zeichen, dass etwas wieder los ist. Ein guter Anbieter gibt dir eine Garantie von 5-10 Jahren - und kommt bei Bedarf zurück.

Was du jetzt tun solltest

Wenn du in einem alten Haus lebst - und du noch nicht weißt, ob du einen Befall hast - dann mach heute noch eine Inspektion. Gehe in den Dachboden. Nimm eine Taschenlampe. Schau unter die Dielen. Rieche an den Wänden. Höre in der Nacht. Wenn du etwas Verdächtiges findest, zögere nicht. Ein Anruf bei einem zertifizierten Schädlingsbekämpfer kostet oft nur 50-80 Euro für die erste Einschätzung. Und er kann dir sagen: Entwarnung - oder Handeln. Kein Risiko. Kein Stress. Nur Sicherheit.

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