KfW-70-Sanierung: Schritt-für-Schritt-Plan für Bestandsimmobilien
Jan, 17 2026
Stell dir vor, deine alte Immobilie wird nicht nur wärmer, sondern auch wertvoller - ohne dass du ein neues Haus bauen musst. Das ist der Kern der KfW-70-Sanierung: ein klug geplanter Weg, um dein bestehendes Haus so zu modernisieren, dass es nur noch 70 % des Energiebedarfs eines durchschnittlichen Altbaus verbraucht. Kein Wunder, dass immer mehr Hausbesitzer in Österreich und Deutschland diesen Weg gehen. Aber wie geht das eigentlich Schritt für Schritt? Und warum ist es nicht einfach nur „Dämmen und Heizung tauschen“?
Was genau ist das KfW-Effizienzhaus 70?
Das KfW-Effizienzhaus 70 ist kein Marketingbegriff, sondern ein klar definierter Standard. Es bedeutet: Dein Haus verbraucht nach der Sanierung nur noch 70 % der Primärenergie, die ein vergleichbares, nicht saniertes Gebäude nach dem aktuellen Gesetz braucht. Das ist kein Ziel für Neubauten - das ist ein Programm für alte Häuser. Egal, ob es aus den 60ern, 80ern oder früher stammt: Wenn du es richtig sanierst, kannst du diesen Standard erreichen.
Dabei geht es nicht nur um Heizkosten. Es geht um CO₂-Emissionen, um Komfort, um Feuchtigkeit und um den Wert deiner Immobilie. Ein Haus, das diesen Standard erfüllt, hat nicht nur niedrigere Energierechnungen - es hat auch eine deutlich bessere Luftqualität, weniger Zugluft und weniger Schimmelgefahr. Und das ist kein Traum, sondern eine technische Realität.
Was muss gemacht werden? Die vier Säulen der Sanierung
Um das KfW-70-Ziel zu erreichen, musst du vier Bausteine richtig kombinieren. Es reicht nicht, nur ein Teil zu machen. Wenn du nur die Fassade dämmst, aber das Dach ignorierst, hast du ein Haus wie eine Jacke ohne Mütze - warm oben, kalt unten. Hier sind die vier entscheidenden Maßnahmen:
- Wärmedämmung der Außenhülle: Außenwände, Dach und Kellerdecke müssen gedämmt werden. Die Dämmstärke liegt typischerweise bei 18 cm mit einem Wärmeleitwert von 0,035 W/(m·K) oder besser. Das ist kein „je dicker, desto besser“ - es ist „je richtig, desto besser“. Zu wenig Dämmung bringt nichts, zu viel kann Feuchtigkeit stauen, wenn die Belüftung nicht passt.
- Fenster und Außentüren: Alte Ein- oder Zweifachverglasung ist der größte Energieverlierer. Du brauchst mindestens Wärmeschutzverglasung mit Uw-Wert von 1,3 W/(m²K) oder besser. Wichtig: Die neuen Fenster müssen exakt in die neue Dämmung integriert werden. Sonst entstehen Wärmebrücken - und die führen zu Schimmel.
- Heizungsanlage: Eine alte Öl- oder Gasheizung aus den 90ern hat keine Zukunft. Du brauchst eine moderne Wärmepumpe, eine Brennwerttherme mit Solarthermie oder eine Hybridlösung. Der Schlüssel: Der Heizwärmebedarf ist nach der Sanierung so niedrig, dass eine Wärmepumpe mit wenig Strom effizient arbeitet - besonders wenn du eine Photovoltaikanlage draufsetzt.
- Be- und Entlüftung: Ein dichtes Haus ist ein gesundes Haus - aber nur, wenn es richtig gelüftet wird. Ab einem Sanierungsgrad, bei dem du zwei Drittel der Fenster oder das Dach austauschst, ist ein Lüftungskonzept Pflicht. Das bedeutet: Entweder eine mechanische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung oder ein dokumentiertes Lüftungsverhalten der Bewohner. Ohne das bekommst du keine Förderung.
Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP): Dein persönlicher Roadmap
Du musst nicht alles auf einmal machen. Das ist das Geniale am KfW-70-Standard: Du kannst deine Sanierung über bis zu 15 Jahre strecken. Aber du brauchst einen Plan. Und der heißt individueller Sanierungsfahrplan - kurz iSFP.
Früher hat die KfW diesen Plan direkt gefördert. Heute macht das das BAFA. Du holst dir einen zertifizierten Energieberater, der dein Haus analysiert, deine Wünsche hört und dir einen detaillierten Fahrplan erstellt. Der enthält:
- Deinen aktuellen Energieverbrauch (mit Messwerten, nicht Schätzungen)
- Alle möglichen Sanierungsschritte mit Kosten und Einsparungen
- Die optimale Reihenfolge: Was zuerst, was später?
- Welche Maßnahmen du in welchem Jahr umsetzen kannst, um die Förderung zu maximieren
Ein guter iSFP zeigt dir nicht nur, was du tun sollst - er zeigt dir, was du nicht tun sollst. Zum Beispiel: Wenn du jetzt nur die Fenster tauschst, ohne die Fassade zu dämmen, verlierst du später die Möglichkeit, die volle Förderung für die Dämmung zu bekommen. Der Plan verknüpft alles miteinander.
Wie funktioniert die Förderung wirklich?
Die KfW-Förderung ist nicht mehr direkt da. Seit 2021 gilt das BEG-Wohngebäude-Programm (Bundesförderung effiziente Gebäude). Das ist wichtig, weil viele noch denken, sie müssten bei der KfW einen Kredit beantragen - das ist nicht mehr nötig.
Bei der BEG bekommst du entweder:
- Zuschuss: Bis zu 21,25 % der förderfähigen Kosten (für Effizienzhaus 70)
- Tilgungszuschuss: Bis zu 12,5 % bei einem KfW-Kredit (nicht bei BAFA!)
Der Trick: Du bekommst die höchste Förderung nur, wenn du zum ersten Mal die Effizienzhaus-Klasse 70 oder besser erreichst. Wenn du schon mal eine Sanierung mit 85er-Standard gemacht hast, bekommst du nur noch die Grundförderung. Deshalb: Planst du mehrere Schritte, musst du sie so anordnen, dass der größte Sprung (z.B. von 100 auf 70) als erster Schritt kommt.
Und das BAFA fördert auch die Beratung: Für die Erstellung des iSFP bekommst du bis zu 80 % der Kosten erstattet - maximal 1.200 Euro für Einfamilienhäuser. Das ist fast ein Gratis-Plan.
Wie viel kostet das wirklich?
Ein typisches Einfamilienhaus von 150 m² Wohnfläche, das 1970 gebaut wurde, kostet bei einer KfW-70-Sanierung zwischen 60.000 und 90.000 Euro - je nach Zustand, Dämmungsaufwand und Heizungswahl. Einige Beispiele:
- 30.000 € für Dämmung (Dach, Wände, Keller)
- 15.000 € für neue Fenster und Außentüren
- 20.000 € für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Warmwasser
- 8.000 € für Lüftungsanlage und Installation
- 5.000 € für Planung, Gutachten, Dokumentation
Die Förderung deckt bei vollem Anspruch bis zu 21.250 € ab. Das heißt: Du zahlst tatsächlich 40.000-60.000 € aus eigener Tasche. Klingt viel? Vergleiche das mit den Heizkosten: Ein Haus mit 20.000 kWh Jahresverbrauch hat vor der Sanierung jährlich 1.800-2.200 € Heizkosten. Nach der Sanierung: 500-700 €. Das spart dir in 10 Jahren 12.000-15.000 € - und das ist nur die Heizung. Die Stromkosten für die Wärmepumpe sind oft geringer, weil du sie mit Solarstrom deckst.
Die häufigsten Fehler - und wie du sie vermeidest
Die meisten Sanierungen scheitern nicht am Geld, sondern an der Planung. Hier sind die drei größten Fehler, die ich in der Praxis sehe:
- Fenster ohne Dämmung: Neue Fenster in alte, undichte Wände? Dann sammelt sich Feuchtigkeit zwischen Dämmung und Fenster - Schimmel garantiert. Die Lösung: Dämmung und Fenster müssen als Einheit geplant werden. Der Dämmstoff muss über das Fensterprofil laufen - kein Abstand!
- Kein Lüftungskonzept: Nach der Sanierung ist das Haus dicht. Aber Menschen atmen, kochen, duschen - das macht Luftfeuchtigkeit. Ohne mechanische Lüftung oder ein dokumentiertes Lüftungsverhalten (z.B. 3x täglich stoßlüften) wird es feucht. Das ist kein Problem der Technik - das ist ein Problem der Planung.
- Keinen Energieberater hinzuziehen: Ein Handwerker sagt: „Ich mache das schon.“ Aber er kennt nicht die KfW-Regeln, nicht die Dämmwerte, nicht die Wärmebrücken. Ein zertifizierter Energieberater prüft, ob alles zusammenpasst - und ob du die Förderung bekommst. Das kostet 500-1.500 € - aber ohne ihn verlierst du oft 15.000 € Förderung.
Wie lange dauert es?
Die Planung dauert 3-6 Monate. Das ist viel länger als die Bauzeit. Warum? Weil du Unterlagen sammeln musst: Energieausweis, Gutachten, Angebote, iSFP, Förderanträge. Jeder Schritt braucht Zeit - und du kannst ihn nicht überstürzen.
Die Bauzeit liegt bei 6-18 Monaten. Wenn du alles auf einmal machst (Dach, Fassade, Fenster, Heizung), brauchst du 12-18 Monate. Wenn du schrittweise sanierst, kannst du auch 2-3 Jahre dauern - und das ist völlig in Ordnung. Wichtig: Jeder Schritt muss im iSFP festgehalten sein. Sonst verlierst du die Förderfähigkeit.
Was kommt als Nächstes?
Die Politik verschärft die Regeln. Ab 2025 müssen alle Neubauten fast klimaneutral sein. Ab 2030 sollen Bestandsgebäude mindestens den Standard von Effizienzhaus 55 erreichen - wenn sie saniert werden. Das heißt: Wer heute mit KfW-70 beginnt, ist gut vorbereitet. Wer heute nur mit 85er-Standard sanieren will, muss später nochmal ran - und zahlt doppelt.
Die KfW-70-Sanierung ist nicht der höchste, aber der smarteste Standard für Bestandsimmobilien. Sie bietet das beste Verhältnis aus Aufwand, Kosten und Förderung. Und sie macht dein Haus nicht nur klimafit - sie macht es komfortabler, gesünder und wertvoller.
Kann ich die KfW-70-Sanierung auch in mehreren Schritten machen?
Ja, das ist sogar der empfohlene Weg. Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) erlaubt dir, die Maßnahmen über bis zu 15 Jahre zu verteilen. Wichtig: Jeder Schritt muss im Plan festgehalten sein, und du musst die Förderung vor Beginn des jeweiligen Schritts beantragen. Nur wenn du den ersten Schritt auf die Effizienzhaus 70-Klasse ausrichtest, bekommst du die höchste Förderung.
Was passiert, wenn ich die Sanierung nicht fertigstelle?
Du verlierst die Förderung für die noch nicht ausgeführten Schritte. Die bereits abgeschlossenen Maßnahmen bleiben gefördert, solange sie den Anforderungen entsprechen. Aber wenn du z.B. nur die Fenster tauscht und dann aufhörst, bekommst du keine Förderung für die spätere Dämmung - denn die Voraussetzung für die volle Förderung ist der Gesamtschritt bis zur Effizienzhaus 70-Klasse.
Brauche ich einen Architekten oder reicht ein Energieberater?
Ein zertifizierter Energieberater ist Pflicht, um den individuellen Sanierungsfahrplan zu erstellen und die Förderung zu beantragen. Für komplexe Projekte - z.B. wenn du die Fassade komplett veränderst oder das Dach neu aufbaust - ist ein Architekt oder Bauingenieur sinnvoll, um die Bauphysik zu prüfen. Aber für die Förderung reicht der Energieberater. Er koordiniert die Planung und stellt sicher, dass alle Maßnahmen zusammenpassen.
Ist eine Wärmepumpe bei KfW-70 Pflicht?
Nein, eine Wärmepumpe ist nicht zwingend vorgeschrieben. Du kannst auch eine moderne Brennwerttherme mit Solarthermie oder einen Hybridkessel verwenden. Aber: Der Energiebedarf nach der Sanierung ist so niedrig, dass eine Wärmepumpe die effizienteste und kostengünstigste Lösung ist - besonders wenn du eine Photovoltaikanlage hast. Die meisten erfolgreichen KfW-70-Sanierungen nutzen heute Wärmepumpen.
Wie lange hält die Sanierung?
Die Dämmung hält mindestens 30-50 Jahre, Fenster 25-30 Jahre, eine Wärmepumpe 15-20 Jahre. Die Lüftungsanlage braucht alle 5-10 Jahre Wartung. Die Sanierung ist also eine langfristige Investition. Die Einsparungen an Heizkosten und die Wertsteigerung deiner Immobilie rechnen sich über Jahrzehnte - und das ist der wahre Gewinn.