Großzügiger Umbau im Einfamilienhaus: Wände entfernen, Grundriss verändern - Kosten, Planung und Praxis

Großzügiger Umbau im Einfamilienhaus: Wände entfernen, Grundriss verändern - Kosten, Planung und Praxis Feb, 13 2026

Ein Einfamilienhaus aus den 1970ern mit kleinen Zimmern, dunklen Fluren und einer Küche, die fast nur zum Kochen taugt - das kennt fast jeder, der in einem älteren Haus wohnt. Doch statt sich mit kleinen Reparaturen zufriedenzugeben, entscheiden sich immer mehr Hausbesitzer für einen großzügigen Umbau: Wände werden entfernt, Räume verschmelzen, Licht fließt durch das ganze Haus. Es geht nicht um Tapezieren oder neue Fußböden - es geht um eine grundlegende Neugestaltung des Grundrisses. Und das ist teurer, komplexer und lohnender, als viele denken.

Warum Wände entfernen? Der Raum, den du nicht siehst

Viele Hausbesitzer denken, ein Umbau sei nur nötig, wenn die Dachdecke undicht ist oder die Heizung kaputt ist. Doch oft liegt das Problem nicht in der Technik, sondern in der Struktur. Ein Haus aus den 1960er- oder 1970er-Jahren hat oft eine Aufteilung, die aus einer Zeit stammt, in der Familien kleiner waren und das Wohnzimmer nicht als Mittelpunkt des Lebens galt. Die Küche war abgeschlossen, das Esszimmer ein separater Raum, das Wohnzimmer klein und dunkel. Heute will man offen wohnen: Küche, Essbereich und Wohnzimmer als eine fließende Einheit. Und das geht nur, wenn die Wände wegkommen.

Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (2022) fühlen sich 68 % der Hausbesitzer, die eine tragende Wand entfernt haben, nach dem Umbau „wie in einem neuen Haus“. Die Wahrheit ist: Es ist nicht der neue Boden oder die neue Küche, die den Unterschied macht - es ist das Gefühl von Raum. Eine Wand zwischen Küche und Wohnzimmer zu entfernen, macht aus einem 120 m²-Haus plötzlich ein Haus, das sich wie 150 m² anfühlt. Das ist kein Marketing-Gag - das ist Raumwahrnehmung.

Tragende Wand oder nicht? Die Statik entscheidet

Nicht jede Wand kann einfach weg. Und das ist der entscheidende Punkt, den viele unterschätzen. Es gibt zwei Arten von Wänden: tragende und nichttragende. Tragende Wände halten das Dach, die Decken und manchmal sogar die Nachbarwände. Sie sind der Rückgrat des Hauses. Wenn du eine solche Wand entfernst, musst du einen statischen Ersatz einbauen - meistens einen Stahlträger oder einen Betonbalken. Das ist kein Job für den Heimwerker. Das muss ein zertifizierter Statiker planen.

Die Kosten dafür liegen zwischen 1.500 € und 8.200 € pro Durchbruch, je nach Traglast und Baustoff. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Hausbesitzer in Linz entfernte eine Wand zwischen Wohnzimmer und Küche. Der Architekt rechnete mit 5.500 €. Am Ende kostete es 8.200 € - weil die Wand mehr Last trug als angenommen, und der Träger dicker, schwerer und teurer werden musste. Die Statikprüfung ist gesetzlich vorgeschrieben. Ohne sie bekommst du keine Baugenehmigung. Und wenn du ohne Genehmigung baust? Dann zahlt die Versicherung bei Schäden nicht - und du musst die Wand wieder einbauen. Das kostet mehr als der ganze Umbau.

Nichttragende Wände hingegen sind einfacher. Das sind Trennwände zwischen Schlafzimmern, Fluren oder Abstellräumen. Die Kosten für das Entfernen liegen bei etwa 50 € pro Quadratmeter. Das ist vergleichbar mit dem Preis für eine neue Tapete - nur dass du dafür Platz gewinnst.

Die Kosten: Von 400 € bis 2.500 € pro Quadratmeter

Wie viel kostet ein großer Umbau? Die Zahlen variieren stark. Für ein Haus aus den 1960er-Jahren mit 120 m² Wohnfläche liegt der Durchschnitt zwischen 48.000 € und 78.000 €. Das sind 400 bis 650 € pro Quadratmeter. Aber das ist nur die Basis. Wenn das Haus Asbest hat, steigen die Kosten. Asbestentfernung kostet 30 bis 45 € pro Quadratmeter. Bleirohre in der Wasserleitung? 25 € pro Meter. Das sind Zusatzkosten, die niemand vorher sieht - bis sie auftauchen.

Einige Hausbesitzer vergleichen den Umbau mit einer Fassadendämmung, die nur 100 bis 200 € pro Quadratmeter kostet. Aber das ist wie einen neuen Anstrich mit einem neuen Motor zu vergleichen. Eine Fassadendämmung ändert nichts am Grundriss. Ein Umbau verändert die gesamte Nutzung. Und das hat einen Preis.

Bei besonders alten Häusern, die komplett modernisiert werden, liegen die Kosten sogar bei 600 bis 2.500 € pro Quadratmeter. Warum so viel? Weil dann oft die ganze Elektrik, die Heizung, die Fenster, die Dämmung und die Sanitärleitungen erneuert werden - und das alles gleichzeitig. Das ist kein Umbau mehr, das ist eine Kernsanierung. Und das ist genau das, was viele tun: Sie nutzen den Umbau als Anlass, alles auf einmal zu erneuern.

Ein Statiker analysiert Traglasten, während ein Stahlträger in einer offenen Wohnfläche eingebaut wird.

Planung: Sechs Monate vor dem ersten Hammerhieb

Viele denken, ein Umbau beginnt, wenn die Bagger kommen. Falsch. Er beginnt, wenn du den Statiker anrufst. Und das sollte mindestens sechs Monate vor dem ersten Abbruch sein. Die Planung ist der wichtigste Teil - und der, den die meisten unterschätzen.

Die Schritte sind klar:

  1. Statikprüfung: Ein zertifizierter Statiker untersucht, welche Wände tragend sind und was sie ersetzen muss.
  2. Baugenehmigung: Du stellst den Antrag bei deiner örtlichen Bauaufsicht. In Österreich dauert das durchschnittlich 78 Tage. In manchen Gemeinden länger.
  3. Architekt oder Bauleiter einbinden: Wer nicht plant, zahlt doppelt. Eine Studie der TU München zeigt: Wer einen Bauleiter einbindet, spart durchschnittlich 18,5 % der Gesamtkosten.
  4. Handwerker ausschreiben: Mindestens fünf Angebote einholen. Nicht nur der billigste, sondern der, der Erfahrung mit statischen Umbauten hat.
  5. Bestandsaufnahme machen: Fotografiere alle Leitungen - Wasser, Strom, Abwasser. Markiere sie an der Wand. Später weißt du nicht mehr, wo was war.

Und vergiss nicht: Die Finanzierung. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zahlt bis zu 25 % der Kosten für energetische Maßnahmen als Zuschuss - wenn du sie gleichzeitig mit dem Umbau umsetzt. Das heißt: Dämmung, neue Fenster, Wärmepumpe - alles zusammen. Das kann Tausende Euro sparen. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) sagt es klar: Ein Umbau ohne energetische Sanierung ist ein verpasster Chance.

Was kommt nach dem Abbruch? Die Realität

Du hast die Wände raus, den Stahlträger eingelegt, die neue Elektrik verlegt. Jetzt kommt der wahre Test: die Baustelle. Ein Umbau dauert zwischen drei und sechs Monaten. Die Zeit läuft nicht linear. Es gibt Verzögerungen - weil der Statiker später kommt, weil das Material nicht da ist, weil der Handwerker krank ist.

Ein Nutzer auf HausGedanken.de schreibt: „Wir haben gedacht, wir sind in drei Monaten fertig. Es wurden sechs. Und wir haben 30 % über dem Budget gelegen.“ Das ist nicht ungewöhnlich. Laut Finanztip (2022) überschreiten 68 % aller Umbauprojekte das Budget - durchschnittlich um 22 %. Warum? Weil man nicht alles vorhersehen kann. Ein versteckter Schimmelbefall, eine alte Ziegelwand, die nicht so leicht abzubrechen ist wie gedacht, eine veraltete Abwasserleitung, die plötzlich bricht.

Die Lösung? Ein Puffer einplanen. Mindestens 15 % über dem Budget. Und: Keine Eile. Ein gut geplanter Umbau dauert länger, kostet aber am Ende weniger. Wer schnell will, zahlt mehr. Und oft hat er am Ende eine schlechtere Qualität.

Eine Familie genießt das offene Wohnkonzept in einem modernisierten Haus, Sonnenlicht flutet den gemeinsamen Raum.

Was bleibt nach dem Umbau?

Was bleibt, ist nicht nur ein neuer Grundriss. Es ist ein neues Leben. Ein Haus, das nicht mehr aus Zimmern besteht, sondern aus Räumen, die zusammengehören. Die Küche ist jetzt der Mittelpunkt. Die Kinder können im Wohnzimmer spielen, während du kochst. Der Abend wird nicht mehr in drei Räumen verbracht, sondern in einem - gemeinsam.

Die meisten, die es gemacht haben, sagen: „Ich wünschte, ich hätte früher angefangen.“ Es ist kein Luxus. Es ist eine Investition in die Lebensqualität. Und in den Wert des Hauses. Ein Haus mit offenem Grundriss, moderner Dämmung und barrierefreiem Zugang ist heute gefragt. Es ist nicht nur schöner - es ist wertvoller.

Und wenn du denkst: „Das ist zu teuer“ - dann frage dich: Was kostet es, wenn du in zehn Jahren immer noch in einem alten, engen, dunklen Haus wohnst? Was kostet es, wenn du dann doch umbauen willst - aber mit 70, mit Rückenschmerzen, mit Kindern, die längst aus dem Haus sind? Der beste Zeitpunkt war vor zehn Jahren. Der zweitbeste ist heute.

Kann ich eine tragende Wand selbst entfernen?

Nein. Eine tragende Wand trägt das Gewicht von Decken, Dach und Nachbarwänden. Ohne statischen Ersatz riskierst du einen Einsturz. Die Entfernung muss von einem zertifizierten Statiker geplant und von einem Fachbetrieb ausgeführt werden. Selbst bei kleinen Wänden ist das gesetzlich vorgeschrieben.

Wie lange dauert eine Baugenehmigung?

In Österreich dauert die Genehmigung durchschnittlich 78 Tage. In manchen Gemeinden kann es bis zu vier Monate dauern, besonders wenn die Unterlagen unvollständig sind. Planst du den Umbau, solltest du mindestens sechs Monate für die Planungs- und Genehmigungsphase einplanen.

Kann ich Fördergelder bekommen, wenn ich nur Wände entferne?

Nein. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zahlt nur, wenn du gleichzeitig energetische Maßnahmen umsetzt - also Dämmung, neue Fenster, Heizung oder Lüftung. Das Entfernen von Wänden allein ist nicht förderfähig. Aber wenn du die Wände entfernst und dabei die Dämmung erneuerst, kannst du bis zu 25 % der Kosten als Zuschuss erhalten.

Was kostet das Entfernen einer nichttragenden Wand?

Das Entfernen einer nichttragenden Wand kostet durchschnittlich 50 € pro Quadratmeter. Dazu kommen eventuell Kosten für den Neubau einer neuen Wand (55 €/m²), Elektroinstallation (10-14 Tage pro Etage) und die Entsorgung des Abbruchmaterials (ca. 150-300 € pro Container).

Ist ein Umbau in einem 60er-Jahre-Haus sinnvoll?

Ja - besonders, wenn du gleichzeitig energetisch sanierst. Häuser aus den 1960er-Jahren haben oft schlechte Dämmung, alte Fenster und veraltete Rohrleitungen. Ein Umbau mit Neugestaltung des Grundrisses und gleichzeitiger Sanierung kann die Energiekosten um bis zu 60 % senken und den Wert des Hauses deutlich steigern. Viele Experten empfehlen, bei solchen Häusern mit 40 % des Kaufpreises für eine Kernsanierung zu rechnen.

Was kommt als Nächstes?

Wenn du jetzt denkst: „Ich will das auch machen“ - dann fang nicht mit dem Hammer an. Fang mit dem Statiker an. Hole dir drei Gutachten. Prüfe, ob deine Gemeinde BIM-Software für Baupläne verlangt - das wird in den nächsten Jahren Standard. Und denk an die Zukunft: Ein offener Grundriss ist heute gefragt. In zehn Jahren wird barrierefreies Wohnen gefragt sein. Plane so, dass du später keine neuen Wände einbauen musst. Denn das ist der größte Fehler: zu kurzfristig denken.

Ein Haus ist kein Lager. Es ist ein Ort, an dem du lebst. Und manchmal braucht es nur eine Wand weniger, um das Leben besser zu machen.

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