Gesund wohnen nach Schimmelschaden: Die richtige Reinigung und Freimessung

Gesund wohnen nach Schimmelschaden: Die richtige Reinigung und Freimessung Jan, 24 2026

Wenn du Schimmel an der Wand siehst, ist das mehr als ein ästhetisches Problem. Es ist ein Schimmelschaden, der deine Gesundheit gefährdet. In Deutschland entstehen jährlich über 150.000 Atemwegserkrankungen durch Schimmelpilze in Wohnräumen - das hat das Umweltbundesamt 2022 bestätigt. Viele Menschen versuchen, das Problem selbst zu lösen: mit Essig, Wasserstoffperoxid oder einfachem Abwischen. Doch das reicht nicht. Und oft macht es die Lage sogar noch schlimmer. Wer nach einem Schimmelschaden wirklich gesund wohnen will, muss systematisch vorgehen - und das beginnt nicht mit dem Putztuch, sondern mit der Ursachenanalyse.

Was ist ein echter Schimmelschaden?

Schimmel ist nicht einfach ein schwarzer Fleck. Er ist das sichtbare Zeichen einer tieferen Problematik: Feuchtigkeit, die sich in der Wand, im Putz oder hinter der Tapete staut. Die Deutsche Gesellschaft für Schimmelsanierung (DGS) definiert Schimmelsanierung als einen vierstufigen Prozess, der nach der Richtlinie VDI 6022:2021-08 standardisiert ist. Das bedeutet: Es geht nicht nur darum, den Schimmel wegzumachen. Es geht darum, die Ursache zu beseitigen, den Untergrund zu reinigen, die Feuchtigkeit zu entfernen und dann zu prüfen, ob alles wirklich weg ist.

Die meisten Schimmelschäden entstehen nicht durch ein defektes Rohr, sondern durch falsches Lüftungsverhalten. Eine Studie des Instituts für Baubiologie Rosenheim (2022) zeigt: 78 % der Fälle sind auf zu wenig oder falsches Lüften zurückzuführen. In der Wohnung bleibt die Luft feucht, die Wände kühlen ab - und an diesen kühlen Stellen kondensiert die Luftfeuchtigkeit. Das ist die perfekte Nährboden für Schimmelpilze. Besonders betroffen sind Ecken, Außenwände, Fensterlaibungen und Räume ohne ausreichende Wärmedämmung.

Wann ist Eigenreinigung erlaubt?

Wenn du einen kleinen Fleck von weniger als 0,4 Quadratmetern findest - etwa an einer Fensterlaibung -, darfst du ihn selbst entfernen. Aber nur unter strengen Bedingungen. Die Deutsche Baubiologische Gesellschaft (IBN) sagt klar: Du brauchst Schutzkleidung. Mindestens eine FFP2-Maske, besser eine FFP3-Maske nach DGUV Regel 112-190. Und du darfst nicht einfach abschrubben. Das wirbelt Sporen in die Luft - und die landen in deinen Lungen.

Bevor du anfängst, befeuchte die befallene Fläche mit 70-prozentigem Ethylalkohol. Das verhindert, dass Sporen aufwirbeln. Dann schabst du vorsichtig die befallene Oberfläche ab - nicht mit einem Schwamm, sondern mit einem Spachtel oder einer Bürste. Danach desinfizierst du den Untergrund. In Schlaf- oder Kinderzimmern verwendest du chlorfreie Mittel. Im Bad ist eine chlorhaltige Lösung erlaubt, aber nur, wenn du gut lüftest. Und dann? Du lässt die Fläche mindestens 48 Stunden trocknen. Kein Streichen, kein Tapezieren davor. Wer zu früh wieder streicht, fängt den Schimmel sofort wieder ein.

Was passiert bei größeren Befällen?

Wenn der Schimmel größer als 0,4 Quadratmeter ist - oder wenn du ihn hinter Tapeten, unter Fußböden oder in Dämmungen vermutest -, dann ist Eigenreinigung gefährlich und oft sinnlos. Laut der Verbraucherzentrale (2023) kehrt Schimmel bei Eigenreinigungen von größeren Befällen in 68 % der Fälle innerhalb von 12 Monaten zurück. Warum? Weil die Ursache nicht behoben wurde. Vielleicht ist es eine Kältebrücke, ein Riss im Mauerwerk oder eine fehlerhafte Dämmung. Diese Probleme siehst du nicht. Ein Fachmann schon.

Professionelle Sanierer arbeiten nach DIN 18380:2022-03. Sie isolieren den Raum, nutzen Absauggeräte mit HEPA-Filtern, tragen Atemschutz der Klasse FFP3 und entfernen das befallene Material komplett - nicht nur die Oberfläche. Putz, Tapete, Dämmung, Holzkonstruktionen: Alles, was befallen ist, wird rausgenommen. Danach wird der Untergrund gründlich desinfiziert und mit Bautrocknern getrocknet. Die Luftwechselrate muss dabei mindestens viermal pro Stunde betragen, wie vom Institut für Bauforschung (2022) gefordert. Bei Holzkonstruktionen dauert die Trocknung bis zu 14 Tage.

Techniker mit Atemschutz untersucht eine Wand mit Wärmebildkamera während der Sanierung

Was ist Freimessung - und warum ist sie unverzichtbar?

Die wichtigste Phase nach der Sanierung ist die Freimessung. Sie ist kein Bonus, sie ist die Voraussetzung dafür, dass du wirklich wieder gesund wohnen kannst. Die Freimessung wird nach VDI 4300-15:2021 durch akkreditierte Prüfstellen durchgeführt. Das bedeutet: Kein Sanierer darf sich selbst messen. Es muss ein unabhängiger Gutachter kommen.

Was wird gemessen? Luftproben. Mindestens drei pro Raum, jeweils mit einem Volumen von 500 Litern. Und Oberflächenabstriche. Die Labore zählen die koloniebildenden Einheiten (KBE/m³). Laut Dr. Barbara Lohse vom Institut für Baubiologie liegt der Grenzwert für Innenräume bei maximal 1.000 KBE/m³ für Aspergillus und Penicillium. Schon ab 500 KBE/m³ können empfindliche Menschen Atembeschwerden bekommen - das bestätigt das Institut für Umweltmedizin (2023).

Warum ist das wichtig? Weil viele Sanierungsfirmen nur optisch prüfen. Sie sagen: „Sieht gut aus.“ Und dann rechnen sie dir die Freimessung extra ab. Das ist Betrug. Die Verbraucherzentrale warnt: 74 % der Mieter wissen nicht, dass die Freimessung unabhängig sein muss. Und wenn du sie nicht machst, weißt du nicht, ob der Schimmel wirklich weg ist - oder nur versteckt.

Was kostet eine professionelle Sanierung?

Die Kosten liegen zwischen 50 und 150 Euro pro Quadratmeter, je nach Umfang und Material. Das klingt viel. Aber es ist eine Investition in deine Gesundheit. Wer falsch selbst sanieren will, läuft Gefahr, Folgekosten von bis zu 1.200 Euro zu haben - durch erneuten Befall, Medikamente, Arztbesuche oder Mietminderung. Und das, obwohl die professionelle Sanierung eine Erfolgsquote von 92 % hat, wie eine Marktanalyse des Instituts für Baubiologie (2023) zeigt.

Die Freimessung kostet zwischen 150 und 300 Euro pro Raum. Das ist kein Luxus. Das ist Versicherung. Und wenn du eine Mietwohnung hast: Du hast Anspruch auf eine vollständige Sanierung durch den Vermieter - inklusive Freimessung. Der Vermieter darf dir nicht einfach ein Reinigungsmittel geben und sagen: „Mach das selbst.“

Umweltgutachter nimmt Luftprobe, Laborbericht zeigt sichere Schimmelwerte

Typische Fehler - und wie du sie vermeidest

  • Zu frühes Streichen: Nach der Trocknung muss mindestens 48 Stunden gewartet werden. Manche streichen schon nach 12 Stunden - und der Schimmel kommt zurück.
  • Elektrische Installationen ignorieren: Steckdosen, Lichtschalter und Kabelkanäle sind oft befallen. Sie werden nicht mitgereinigt - und werden zur neuen Keimquelle.
  • Falsche Dosierung von Mitteln: Zu wenig Desinfektionsmittel wirkt nicht. Zu viel schädigt den Untergrund und kann giftige Dämpfe freisetzen.
  • Keine Ursachenanalyse: Ohne Thermografie oder Feuchtigkeitsmessung wird die Wurzel nicht gefunden. Der Schimmel kommt zurück - und du hast Geld und Zeit verschwendet.
  • Keine unabhängige Freimessung: Wenn der Sanierer gleichzeitig misst, ist das kein objektiver Nachweis. Frag immer nach dem akkreditierten Labor.

Was ändert sich 2024 und 2025?

Die Regeln werden strenger. Seit Januar 2024 gilt die neue Richtlinie VDI 6022-10:2023-09. Sie erhöht die Anforderungen an die Luftwechselrate bei der Trocknung von 2-fach auf 4-fach pro Stunde. Das bedeutet: Bautrockner müssen leistungsfähiger sein. Die Bundesregierung fördert mit 2,5 Millionen Euro eine bundesweite Aufklärungskampagne der Deutschen Lungenstiftung. Und der Markt wächst: 2023 betrug das Volumen der Schimmelsanierung in Deutschland 1,8 Milliarden Euro - und steigt jährlich um 6,2 %.

Prognosen sagen: Bis 2026 wird der Anteil der Sanierungen mit echter Freimessung von 65 % auf 88 % steigen. Warum? Weil Menschen lernen: Ohne Messung ist keine Sicherheit. Und weil der Klimawandel die Lage verschärft. Studien des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (2023) zeigen: Bis 2030 steigt die Zahl der Schimmelschäden um 18 % - durch häufigere Starkregen, höhere Luftfeuchtigkeit und schlecht gedämmte Gebäude.

Was kannst du jetzt tun?

Wenn du Schimmel siehst: Nicht panisch werden. Aber auch nicht ignorieren. Mache folgende Schritte:

  1. Identifiziere die Größe: Ist es kleiner als 0,4 m²? Dann kannst du selbst vorgehen - mit Schutz und richtigem Vorgehen.
  2. Wenn es größer ist: Suche einen zertifizierten Sanierer mit dem Qualitätszeichen „Geprüfte Schimmelsanierung“ (287 Unternehmen in Deutschland haben es laut IBN aktuell).
  3. Frage nach der Ursachenanalyse: Wird Thermografie oder Feuchtigkeitsmessung gemacht?
  4. Bestehe auf einer unabhängigen Freimessung vor und nach der Sanierung.
  5. Verlange den schriftlichen Nachweis des Labors - nicht nur ein „Sieht gut aus“.

Wer nach einem Schimmelschaden wieder gesund wohnen will, braucht mehr als ein Putztuch. Er braucht Wissen, Systematik und Verlässlichkeit. Die Technik ist da. Die Regeln sind klar. Es geht nur noch darum, sie einzuhalten - für dich und deine Familie.

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