Fassaden-Checkliste: Von der Planung bis zur Abnahme - Schritt für Schritt zur fehlerfreien Außenrenovierung
Feb, 10 2026
Wenn du deine Fassade sanierst, willst du nicht, dass nach zwei Jahren Feuchtigkeit an der Wand auftaucht, Putz abplatzt oder die Dämmung nicht funktioniert. Das passiert oft - und zwar nicht, weil die Handwerker schlecht arbeiten, sondern weil Fassaden-Checkliste fehlen. Viele Bauherren denken, dass ein guter Architekt und ein erfahrener Handwerker alles im Griff haben. Doch in der Praxis passieren selbst bei professionellen Teams Fehler, wenn nichts schriftlich festgehalten ist. Eine strukturierte Checkliste verhindert das. Sie ist kein lästiges Formular, sondern deine Versicherung gegen teure Nachbesserungen.
Warum du eine Fassaden-Checkliste brauchst
In Deutschland verursachen fehlerhafte Fassadenarbeiten durchschnittlich 23 % aller Bauschäden. Das sagt die Deutsche Energie-Agentur (dena). Die meisten Probleme entstehen nicht beim Aufbringen des Putzes oder der Dämmung, sondern an den Übergängen: wo die Fassade auf das Dach trifft, wo Fenster eingebaut sind oder wo Balkone an die Wand anschließen. Hier entstehen Wärmebrücken, Wasser kann eindringen, und Feuchtigkeit frisst sich langsam durch die Konstruktion. Eine Checkliste zwingt dich, jeden dieser Übergangspunkt systematisch zu prüfen - nicht nur einmal, sondern vor, während und nach der Arbeit.Diese Liste ist nicht frei erfunden. Sie basiert auf deutschen Normen: der VOB/C, der DIN 18345 für Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS), der DIN 18350 für Putzarbeiten und der DIN 18540 für Oberflächenqualität. Wer diese Normen kennt, weiß: Es geht nicht um „schön“ oder „gut genug“. Es geht um Messwerte, Toleranzen, Materialdicken und Prüfprotokolle. Ohne Checkliste bleibt das alles im Kopf - und das ist zu riskant.
Phase 1: Vorplanung - Die Grundlage für alles
Bevor du einen Handwerker beauftragst, musst du wissen, was du hast. Bei Altbauten ist das oft schwierig. Bestandspläne gibt es selten. Du brauchst:- Eine detaillierte Bestandsaufnahme der Fassade - inklusive Risse, Feuchtigkeitsschäden und versteckten Konstruktionen.
- Die Baubeschreibung und Statik des Gebäudes - besonders wichtig, wenn du Balkone, Geländer oder Vordächer veränderst.
- Die energetischen Anforderungen der EnEV 2024 - die neue Version verlangt lückenlose Dokumentation für Fördermittel.
Diese Unterlagen brauchen Zeit. Bei einem Haus aus den 70er-Jahren kann das zwei bis drei Wochen dauern. Wenn du das überspringst, beginnst du mit einem blinden Fleck. Kein Handwerker kann das kompensieren.
Die Checkliste von CAD Planungsbüro BLUM (bau-doch-selber.de) empfiehlt: „Alle Unterlagen liegen vor, bevor die erste Planungssitzung stattfindet.“ Das klingt simpel - aber 60 % der Bauherren starten ohne diese Basis. Das ist der erste Fehler.
Phase 2: Vorarbeiten - Alles muss vor der Fassade fertig sein
Bevor die Dämmung oder der Putz kommt, muss alles andere erledigt sein. Warum? Weil danach niemand mehr an die Wände rankommt. Wenn du die Elektroleitungen erst nach der Fassadenmontage verlegst, musst du die Dämmung aufschneiden - und das ist ein klassischer Fehler.Die Scherz-Bau-Checkliste (scherz-bau.at) listet 12 Vorarbeiten auf, die du kontrollieren musst:
- Spenglerarbeiten sind abgeschlossen - inklusive Dachrinnen und Attika-Verblechung.
- Fenster und Türen sind montiert - inklusive Eingangstür und Garagentor.
- Alle Leitungen (Elektro, Wasser, Heizung) sind in der Wand verlegt und getestet.
- Die Baustelle ist klar - mindestens 1,5 Meter Abstand rund um das Gebäude für das Gerüst.
- Balkon-Unterkonstruktionen sind installiert und statisch geprüft.
Das klingt nach viel Arbeit - und das ist es auch. Aber wer das nicht macht, zahlt später. Ein Hausbesitzer aus Leipzig berichtete auf bauexperten.com, dass er 3 Wochen Bauzeit gespart hat, weil er alle Vorarbeiten vorher abgestimmt hatte. Das ist kein Zufall.
Phase 3: Ausführung - Was muss genau passieren?
Jetzt geht es ans Eingemachte. Bei WDVS-Systemen (Wärmedämm-Verbundsystemen) gibt es klare Vorgaben:- Dämmstoffdicke: Mindestens 140 mm, meist 160 mm - abhängig vom Dämmstoff (EPS 035, Mineralwolle, XPS).
- Befestigung: Mindestens 6 Dübel pro Quadratmeter, verteilt nach DIN 18345.
- Verputzen: Oberflächen dürfen maximal 3 mm Abweichung pro laufendem Meter haben.
- Risse: Keine Risse größer als 0,5 mm - das ist kein Schönheitsfehler, das ist ein Mangel.
Die DIN 18540 sagt: Wenn du eine Wasserwaage an die Wand legst und die Abweichung mehr als 2 mm pro Meter beträgt, ist die Fläche nicht in Ordnung. Das musst du messen - nicht schätzen. Viele Handwerker arbeiten mit dem Auge. Das reicht nicht.
Bei Metallkonstruktionen wie Balkongeländern oder Fassadenhaltern aus Aluminium muss eine thermische Trennung eingebaut sein - ein sogenannter Thermostopp. Sonst entsteht eine Wärmebrücke, die die Energiebilanz ruiniert. Das steht in der DIN 18800 und im ConArc-Fassadenhalter-Dokument (flender-flux.de). Wenn dein Handwerker davon nichts weiß, frag nach.
Phase 4: Abnahme - Die letzte Prüfung, die alles entscheidet
Die Abnahme ist nicht „Schluss, fertig“. Sie ist eine formelle Prüfung mit Protokoll. Und sie muss von einem Fachmann durchgeführt werden - nicht vom Bauherrn allein.Dipl.-Ing. Gunter Hankammer, Sachverständiger aus Hamburg, sagt in seinem Standardwerk: „Eine lückenlose Dokumentation aller Prüfpunkte ist die einzige Möglichkeit, um bei späteren Mängelansprüchen rechtlich abgesichert zu sein.“
Die Hankammer-Checkliste (bauleiter-plattform.de) ist in 89 % aller professionellen Bauabnahmen im Einsatz. Sie enthält 47 Prüfpunkte - und für ein Einfamilienhaus brauchst du mindestens 8 Stunden, um sie alle abzuarbeiten. Das ist kein Schnelltest. Das ist eine Inspektion.
Was du prüfen musst:
- Feuchtigkeit: Mit einem Protimeter Surveymaster (Toleranz ±1,5 %) an allen Übergängen messen - besonders an Fensterlaibungen, Sockelbereichen und Dachanschlüssen.
- Verankerung: Alle Dübel und Haken sichtbar prüfen - keine verdeckten Befestigungen.
- Verfugung: Alle Fugen zwischen Putz, Fenster und Dach müssen luftdicht und wasserdicht sein.
- Dokumentation: Jeder Punkt muss unterschrieben und datiert sein - mit Foto und Messwert.
Wenn du das nicht machst, hast du keine rechtliche Absicherung. Selbst wenn alles perfekt aussieht, kannst du später nicht nachweisen, dass es richtig war.
Welche Checkliste ist die richtige?
Es gibt nicht die eine Checkliste. Es gibt viele - und jede hat ihre Stärken:| Checkliste | Hauptfokus | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|---|
| hankammer.de | Rechtliche Abnahme | Am weitesten verbreitet, klar strukturiert, ideal für Bauabnahmen | Sehr detailliert - für Laien schwer verständlich |
| bau-doch-selber.de | Technische Umsetzung | Kopiert DIN- und VOB-Normen präzise, gut für Architekten | Hoher Planungsaufwand - 15-20 Stunden pro Projekt |
| scherz-bau.at | Vorarbeiten | Praktisch, klar für Handwerker, fokussiert auf Vorbereitung | Keine detaillierte Abnahmeprüfung |
| flender-flux.de | Statische Berechnung | Spezifisch für Fassadenhalter, Balkone, Geländer | Zu technisch - erfordert Statiker, kostet bis 850 € Zusatz |
Wenn du ein Einfamilienhaus sanierst, ist die Hankammer-Checkliste die sicherste Wahl. Wenn du vor allem Vorarbeiten kontrollieren willst, ist Scherz Bau ideal. Für komplexe Metallkonstruktionen brauchst du ConArc. Und wenn du ein Denkmal sanierst - dann brauchst du eine eigene, spezielle Liste. Standard-Checklisten decken das nicht ab.
Digitalisierung: Apps und KI - Die Zukunft ist da
2024 nutzen 41 % der Fachbetriebe digitale Checklisten-Apps. Das sind fast 12 % mehr als 2023. Die Plattform „Checklistor Bau“ (ab 49,99 €/Jahr) integriert die DIN-Normen direkt. Du kannst Fotos machen, Messwerte eingeben und das Protokoll sofort versenden.Neu ist die Plattform „bau-check.de“ (seit Januar 2024 in Beta). Sie nutzt KI, um Bilder der Fassade zu analysieren - und erkennt automatisch Risse, Feuchtigkeit oder falsche Dämmstärken. Auf der BAU-Messe 2023 stellte Saint-Gobain Sensoren vor, die in der Fassade eingebaut werden und Feuchtigkeit automatisch an die Checkliste melden.
Die neue DIN SPEC 91478 (Oktober 2023) macht das legal: Digitale Checklisten mit elektronischer Unterschrift gelten ab jetzt als rechtlich bindend - vorausgesetzt, sie entsprechen der VOB/C. Aber Achtung: Laut Rechtsanwalt Thomas Meier (BauR 2024) ist nur jede dritte digitale Checkliste tatsächlich konform. Prüfe vorher, ob dein Tool die VOB/C-Anforderungen erfüllt.
Was du jetzt tun sollst
Du hast jetzt drei Optionen:- Wenn du noch nicht angefangen hast: Hole dir die Hankammer-Checkliste (bauleiter-plattform.de) und die Scherz-Bau-Vorlage (scherz-bau.at). Drucke sie aus. Besprich sie mit deinem Architekten und Handwerker - bevor du unterschreibst.
- Wenn du gerade baust: Mach jeden Tag eine kurze Kontrolle mit der Liste. Fotografiere alles. Notiere Messwerte. Wenn du nicht messen kannst, lass es von einem Sachverständigen machen - das kostet 150 €, spart aber 5.000 € später.
- Wenn du schon fertig bist und Probleme hast: Hole dir einen unabhängigen Sachverständigen. Er kann prüfen, ob die Arbeit den DIN-Normen entspricht. Das ist deine letzte Chance, rechtlich vorzugehen.
Die Fassade ist das Aushängeschild deines Hauses - aber auch seine Schwachstelle. Eine Checkliste macht dich nicht zum Experten. Aber sie macht dich sicher.
Kann ich die Fassaden-Checkliste selbst ausfüllen, ohne Architekt?
Ja, du kannst die Checkliste selbst nutzen - aber nur als Kontrollinstrument. Du darfst die Abnahme nicht allein durchführen. Die rechtliche Abnahme muss von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen oder einem Architekten durchgeführt werden. Die Checkliste hilft dir, Fehler früh zu erkennen und den Handwerker zu kontrollieren - aber sie ersetzt nicht die professionelle Prüfung.
Welche Dämmstärke brauche ich für meine Fassade?
Mindestens 140 mm, meist 160 mm. Die genaue Dicke hängt vom Dämmstoff ab: EPS 035 benötigt mehr Dicke als Mineralwolle, weil es eine geringere Wärmeleitfähigkeit hat. Die EnEV 2024 verlangt, dass die Dämmung den U-Wert von 0,20 W/(m²K) unterschreitet. Ein Handwerker kann dir das mit einem Rechenprogramm berechnen - aber du solltest die Dicke vorher in der Checkliste festlegen, damit er nicht „nachjustiert“.
Warum ist die Feuchtigkeitsmessung so wichtig?
Feuchtigkeit ist der Hauptverursacher von Schimmel, Putzverlust und Holzschäden. Sie tritt oft an Übergängen auf - wo Fassade, Fenster und Dach zusammentreffen. Ohne Messung kannst du sie nicht sehen. Mit einem Protimeter Surveymaster misst du die Feuchtigkeit im Baumaterial - nicht nur an der Oberfläche. Ein Wert über 18 % Feuchte im Putz ist kritisch. Das ist kein „etwas feucht“, das ist ein Schadensfall.
Brauche ich eine spezielle Checkliste für Denkmalgebäude?
Ja. Standard-Checklisten sind für Neubauten und moderne Sanierungen gemacht. Bei historischen Fassaden gelten andere Regeln: Kalkputz statt Zement, traditionelle Dämmung, offene Fugen. Die DIN-Normen gelten nicht uneingeschränkt. Du brauchst eine spezielle Checkliste, die von Denkmalbehörden anerkannt ist. In Sachsen gibt es zum Beispiel die „Leitlinie zur Fassadensanierung historischer Gebäude“ - die musst du anfordern. Sonst verlierst du Fördermittel oder musst später alles wieder rückbauen.
Kann ich die Checkliste auch für Neubauten nutzen?
Absolut. Die Checkliste ist nicht nur für Sanierungen da. Bei Neubauten ist sie sogar noch wichtiger - weil du hier die Chance hast, alles richtig von Anfang an zu machen. Viele Bauherren denken, „Neubau = kein Problem“. Doch gerade bei Neubauten passieren die teuersten Fehler: falsche Dämmung, unzureichende Abdichtung, fehlende thermische Trennung. Die Checkliste hilft dir, den Bauherren und den Handwerkern eine gemeinsame Sprache zu geben.
Was passiert, wenn ich die Checkliste nicht ausfülle?
Dann hast du keine Beweise. Wenn nach einem Jahr Feuchtigkeit an der Wand ist, kannst du nicht nachweisen, dass die Arbeit den Normen entsprach. Der Handwerker kann sagen: „Ich habe alles nach Vorschrift gemacht.“ Du hast keine Fotos, keine Messwerte, keine Unterschriften. Die Rechtslage ist klar: Wer den Nachweis nicht erbringen kann, trägt das Risiko. Das kostet dich oft mehr als 10.000 € - und das nur, weil du eine Liste nicht ausgefüllt hast.