E-Check für alte Elektroanlagen im Wohnhaus: So sicherst du deine Installation
Feb, 21 2026
Stell dir vor, du machst abends die Küche auf, steckst die Kaffeemaschine ein - und plötzlich zuckt es, ein Knall, dann Stille. Kein Brand, aber ein Schreck. In Deutschland passieren jedes Jahr über 20.000 Brände, die auf defekte Elektroanlagen zurückgehen. Mehr als 60 % davon betreffen Wohnungen, die älter als 30 Jahre sind. Die meisten dieser Brände wären vermeidbar. Und das beginnt mit einem einfachen Schritt: dem E-Check.
Was ist eigentlich ein E-Check?
Der E-Check ist keine freiwillige Spielerei. Es ist eine normgerechte, technische Prüfung deiner ganzen Elektroanlage - von der Leitung im Keller bis zur Steckdose im Bad. Er basiert auf den VDE-Normen, den deutschen Standards für Elektrotechnik, und wird ausschließlich von zertifizierten Elektrikern durchgeführt. Obwohl er für private Haushalte nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, ist er die beste Möglichkeit, verborgene Risiken aufzudecken, die du mit bloßem Auge nie siehst.
Der E-Check untersucht nicht nur, ob Steckdosen funktionieren. Er misst den Isolationswiderstand, prüft die Erdung, testet die Reaktionszeit von FI-Schutzschaltern und prüft, ob Kabel noch intakt sind. In alten Häusern, die vor 1990 gebaut wurden, sind oft keine Fehlerstromschutzschalter installiert - oder sie sind defekt. Und das ist kein Kleinod, sondern eine Gefahr. Laut einer Studie der Fachzeitschrift Elektropraxis aus 2023 wurden in 78,5 % der alten Wohnungen bei einem E-Check kritische Mängel gefunden.
Was wird genau geprüft?
Ein E-Check läuft nicht nach Zufall ab. Es gibt vier klare Schritte, die jeder qualifizierte Elektriker befolgt:
- Besichtigung: Der Elektriker schaut sich die Verteilerkasten, Steckdosen, Lichtschalter und Kabelverläufe an. Er sucht nach sichtbaren Schäden, überlasteten Leitungen oder fehlenden Schutzvorrichtungen.
- Messung: Mit speziellen Geräten misst er die Schleifenimpedanz an Steckdosen, den Isolationswiderstand der Leitungen und die Auslösezeit des FI-Schutzschalters. Das ist der entscheidende Teil: Nur Messungen zeigen, ob die Sicherheit wirklich funktioniert.
- Test: Er drückt die Testtaste am FI-Schalter - und prüft, ob er sofort auslöst. Er prüft, ob der Blitz- und Überspannungsschutz vorhanden ist, und ob Rauchmelder richtig installiert sind.
- Dokumentation: Am Ende erhältst du ein offizielles Prüfprotokoll, das alle Messwerte, Mängel und empfohlene Maßnahmen enthält. Dieses Papier ist dein Nachweis - und im Schadensfall dein bester Freund.
Bei alten Anlagen konzentriert sich der Prüfer besonders auf drei Dinge: die Erdung, die Isolierung der Kabel und den FI-Schutzschalter. In 63 % der untersuchten Gebäude fehlte dieser Schutz ganz - oder er war nicht mehr funktionsfähig. Und das ist kein kleiner Mangel. Ein FI-Schalter rettet Leben. Er unterbricht den Strom in Millisekunden, wenn ein Mensch einen Stromschlag erleidet - oder wenn ein Kabel kurzschließt und Feuer fängt.
Warum ist das besonders wichtig bei alten Häusern?
Dein Haus ist 40 Jahre alt? Dann ist deine Elektroanlage wahrscheinlich genauso alt - oder älter. Die meisten Gebäude, die vor 1990 gebaut wurden, hatten keine modernen Sicherheitsstandards. Keine Erdung, keine separate Leitung für Waschmaschine oder Spülmaschine, keine Überspannungsschutzgeräte für TV oder Computer. Manche Häuser haben noch Sicherungsdraht statt Leitungsschutzschaltern. Das ist kein Überbleibsel aus der guten alten Zeit - das ist ein Brandrisiko.
Statistiken des Statistischen Bundesamts zeigen: 38,2 % aller Wohngebäude in Deutschland sind älter als 40 Jahre. Bis 2030 wird dieser Anteil auf 45 % steigen. Das heißt: Jede zweite Wohnung, in der jemand lebt, hat eine Elektroanlage, die nicht mehr den heutigen Sicherheitsanforderungen entspricht. Und das ist kein theoretisches Problem. Der Bundesgerichtshof hat 2022 entschieden: Ein Vermieter haftet, wenn er keine regelmäßigen Sicherheitsprüfungen durchführen lässt. Wenn ein Brand entsteht und du keinen E-Check vorweisen kannst, bist du nicht nur verletzt - du bist auch rechtlich verantwortlich.
Wie lange dauert der E-Check und was kostet er?
Bei einer kleinen Wohnung oder einem Einfamilienhaus dauert der E-Check in der Regel zwischen 1 und 2 Stunden. Der Elektriker muss die Spannung kurzzeitig abstellen - das heißt, du kannst währenddessen keine Waschmaschine, Spülmaschine oder Kühlschrank benutzen. Das ist normal. Es ist kein Fehler, sondern ein Sicherheitsprotokoll.
Die Kosten variieren je nach Größe, Alter und Zustand der Anlage. In Dresden und Umgebung liegen sie zwischen 200 und 400 Euro. Das klingt viel - bis du weißt, was du vermeidest. Ein einziger Brand durch eine defekte Elektroanlage kann Schäden von über 500.000 Euro verursachen. Und das ist nicht nur Geld. Das ist dein Zuhause. Deine Erinnerungen. Deine Sicherheit.
Einige Nutzer berichten auf Plattformen wie Trustpilot, dass sie nach einem E-Check fünf kritische Mängel gefunden haben - darunter einen komplett fehlenden FI-Schalter. Andere sagen: „289 Euro für drei Kleinigkeiten?“ Aber das ist der Punkt: Der E-Check zeigt dir, was wirklich drin ist. Einige Mängel kannst du selbst beheben - andere brauchen eine Sanierung. Aber du weißt es jetzt. Und das ist der Wert.
Was passiert nach dem E-Check?
Nach dem E-Check bekommst du ein Protokoll. Da steht nicht nur „Mangel gefunden“, sondern genau: „FI-Schutzschalter an Verteilerkasten fehlt - Empfehlung: Einbau eines 30 mA-FI-Schalters mit Überlastschutz.“
Du hast drei Optionen:
- Keine Maßnahme: Du ignorierst den Befund. Risiko: Brand, Schadensersatzansprüche, Versicherungsverweigerung.
- Kleine Reparatur: Du lässt den fehlenden FI-Schalter einbauen. Das kostet 200-300 Euro - und erhöht deine Sicherheit um 90 %.
- Gesamtsanierung: Bei sehr alten Anlagen ist eine komplette Neuausstattung nötig. Das ist teurer, aber es ist die einzige Lösung, die langfristig sicher ist.
Experten wie Prof. Dr. Markus Richter von der TU München warnen: „Der E-Check allein ersetzt keine Sanierung.“ Er zeigt dir den Zustand - aber nicht, wie du ihn dauerhaft verbessern kannst. Manchmal ist eine Sanierung nötig. Aber erst durch den E-Check weißt du, ob und wo.
Was sagen Versicherungen und Vermieter?
Deine Hausratversicherung zahlt nur, wenn du nachweisen kannst, dass du die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen hast. Ein E-Check ist dafür der beste Beweis. Viele Versicherer verlangen ihn sogar bei Neuanträgen für alte Immobilien.
Und was ist mit Vermietern? Sie sind nach § 535 BGB verpflichtet, die Mietsache „in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch notwendigen Zustand“ zu halten. Das umfasst auch die Elektrik. Ein BGH-Urteil aus 2022 hat klargestellt: Wer keine Prüfung durchführen lässt, haftet bei einem Brand. Deshalb führen 72 % der großen Wohnungsunternehmen in Deutschland regelmäßige E-Checks durch. Wenn du vermietest, ist der E-Check kein Luxus - er ist deine Absicherung.
Wie findest du den richtigen Elektriker?
Nicht jeder Elektriker kann einen E-Check durchführen. Du brauchst jemanden, der nach DGUV Vorschrift 3 zertifiziert ist. Das bedeutet: Er hat spezielle Schulungen absolviert, überprüfte Messgeräte benutzt und ein offizielles Prüfprotokoll ausstellt.
Frage beim Auftrag:
- „Haben Sie die Zertifizierung nach DGUV Vorschrift 3?“
- „Können Sie mir ein Musterprotokoll zeigen?“
- „Wird die Prüfung auch dokumentiert, oder nur mündlich erklärt?“
Vermeide Angebote, die „nur Sichtprüfung“ anbieten. Das ist kein E-Check. Das ist ein Blick auf die Steckdose. Ein echter E-Check misst, testet und dokumentiert - und das mit zertifizierten Geräten.
Aktuelle Entwicklungen: Was kommt 2025?
Im Jahr 2024 wird die DGUV Vorschrift 3 überarbeitet. Dabei geht es um Mietwohnungen: Es wird klargestellt, wie oft E-Checks dort durchgeführt werden müssen - wahrscheinlich alle 5 Jahre. Auch die Digitalisierung schreitet voran. Einige Anbieter nutzen jetzt Apps, um die Ergebnisse direkt als PDF oder QR-Code zu liefern. Das macht das Protokoll leichter nachzuweisen - und einfacher zu speichern.
Die Zukunft ist klar: Je älter die Gebäude, desto wichtiger wird der E-Check. Bis 2030 wird fast jeder zweite Wohnblock in Deutschland älter als 40 Jahre sein. Wer jetzt nicht prüft, zahlt später - mit Geld, mit Sicherheit, manchmal mit Leben.