Dämmung im Altbau ohne Schimmel: So funktionieren kapillaraktive Systeme
Feb, 8 2026
Wenn du in einem Altbau wohnst, kennst du das Problem: Egal wie oft du lüftest, in den Ecken der Zimmer bildet sich immer wieder Schimmel. Die Wände sind kalt, die Luft feucht, und die Heizkosten laufen dir davon. Viele versuchen es mit herkömmlicher Innendämmung - Styropor oder Mineralwolle - doch oft wird es danach noch schlimmer. Die Feuchtigkeit bleibt hängen, zwischen Wand und Dämmung sammelt sich Kondenswasser, und der Schimmel kehrt zurück. Es gibt aber eine Lösung, die genau das verhindert: kapillaraktive Dämmung. Sie ist nicht nur eine Alternative, sie ist für viele Altbauten die einzige sinnvolle Option.
Warum herkömmliche Dämmung im Altbau scheitert
Altbauten sind nicht wie moderne Häuser. Ihre Wände bestehen aus Ziegel, Naturstein oder Lehm - Materialien, die Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können. Das ist kein Mangel, das ist eine Funktion. Früher atmeten Häuser. Heute versuchen wir sie luftdicht zu machen, und das bringt Probleme mit sich. Wenn du eine Styroporplatte an die innere Wand klebst, blockierst du diesen natürlichen Feuchtigkeitsaustausch. Die Wand kann nicht mehr trocknen. Die Feuchtigkeit aus der Raumluft sammelt sich an der kalten Rückseite der Dämmung. Und wo Feuchtigkeit bleibt, wächst Schimmel. Das ist kein Zufall. Das ist Physik.Ein Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik zeigt: In 68% der Fälle, in denen Innendämmung mit konventionellen Materialien eingesetzt wurde, trat innerhalb von zwei Jahren Schimmel auf - besonders an Deckenanschlüssen, Ecken und hinter Möbeln. Die Ursache? Die Dämmung hat den Taupunkt verschoben. Statt dass die Feuchtigkeit an der Außenwand kondensiert, passiert das jetzt direkt hinter der Dämmplatte. Und da kommt kein Lüften mehr dran.
Wie kapillaraktive Systeme wirklich funktionieren
Kapillaraktive Dämmung funktioniert anders. Sie ist kein Damm, sondern ein Puffer. Materialien wie Kalziumsilikatplatten haben Millionen winziger Poren. Wenn die Luftfeuchtigkeit steigt - zum Beispiel nach dem Duschen oder Kochen - saugen diese Poren den Wasserdampf auf, wie ein Schwamm. Wenn die Luft wieder trockener wird - etwa nachts oder bei Lüften - geben sie die Feuchtigkeit wieder ab. Das passiert nicht durch eine Dampfsperre, sondern durch natürliche Kapillarkräfte. Die Feuchtigkeit wandert zurück zur Wand, wo sie abtransportiert werden kann.Das ist der Schlüssel: Keine Dampfsperre. Keine Abriegelung. Kein Einfrieren der Feuchtigkeit. Stattdessen: ein kontrollierter, dynamischer Kreislauf. Die Wand bleibt trocken, weil sie nicht abgeschnitten wird, sondern aktiv in den Feuchteausgleich eingebunden ist. Laut den Herstellern wie Remmers und ISOTEC speichern diese Materialien bis zu 150 Gramm Wasserdampf pro Quadratmeter - das entspricht fast einem halben Liter Wasser pro Quadratmeter Wandfläche. Das ist kein theoretisches Modell. Das ist messbar, real und funktioniert in der Praxis.
Welche Materialien gibt es wirklich?
Nicht alles, was „kapillaraktiv“ sagt, ist es auch. Der Markt ist voll von Marketingbegriffen. Aber echte kapillaraktive Systeme basieren auf drei Hauptmaterialien:- Kalziumsilikatplatten: Der Klassiker. Sie haben eine Wärmedämmung von 0,055 bis 0,065 W/(m·K), sind nicht brennbar, und können Temperaturen bis 1.000 °C aushalten. Sie sind dicht genug, um Wärme zu halten, aber offen genug, um Feuchtigkeit durchzulassen. Ihre Dichte liegt bei 200-300 kg/m³ - schwer genug, um stabil zu bleiben, leicht genug, um verarbeitet zu werden.
- Aerogel-Hochleistungsdämmputz (z. B. Heck AERO iP): Für Räume, in denen jede Zentimeter zählt. Dieser Putz wird nur 3-5 mm dick aufgetragen, hat aber eine Wärmedämmung von 0,018 W/(m·K). Das ist besser als die meisten Außendämmungen. Er eignet sich besonders gut für Räume mit niedrigen Decken, Fensterlaibungen oder historischen Detailfassaden, wo dicke Platten nicht passen.
- Perlitbasierte Platten (z. B. TecTem® Climaprotect): Ein natürliches, mineralisches Material, das aus vulkanischem Gestein gewonnen wird. Es ist leicht, feuerbeständig und hat eine ausgezeichnete Feuchtespeicherfähigkeit. Es ist besonders gut für Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit, wie Bädern oder Küchen.
Alle diese Materialien haben gemeinsam: Sie enthalten keine Kunststoffe, sind diffusionsoffen und haben keine Dampfsperre. Sie sind nicht „nur“ Dämmung - sie sind Teil des Wandklimas.
Was du für die Endbeschichtung brauchst
Du kannst nicht einfach jede Farbe darüber streichen. Eine herkömmliche Acrylfarbe mit hohem Kunststoffanteil blockiert die Poren. Die Feuchtigkeit kann nicht mehr entweichen. Das Ergebnis? Schimmel unter der Farbe - unsichtbar, bis es zu spät ist.Die richtige Endbeschichtung ist Teil des Systems. Produkte wie Remmers iQ-Paint sind speziell dafür entwickelt. Sie haben eine hohe Wasserdampfdiffusionsfähigkeit, sind mineralisch gebunden und erlauben eine maximale Feuchtigkeitsdurchlässigkeit. Die Spachtelschicht darunter sollte nicht dicker als 2 mm sein. Zu viel Putz behindert die Kapillarwirkung. Es ist kein „normaler“ Anstrich - es ist ein technisches System, das genau wie eine Medizin dosiert werden muss.
Die Kosten: Mehr Geld, aber mehr Wert
Ja, kapillaraktive Systeme sind teurer. Kalziumsilikatplatten kosten 35-45 € pro Quadratmeter, während Styropor bei 15-25 € liegt. Das ist fast doppelt so viel. Aber das ist nicht der ganze Preis. Wenn du mit Styropor anfängst und nach zwei Jahren Schimmel hast, musst du alles wieder abreißen, die Wand trocknen, und dann doch die richtige Lösung einbauen. Das kostet mehr als die erste, gute Lösung.Zusätzlich kommen Installationskosten hinzu. Eine fachgerechte Verklebung, sorgfältige Anschlussdetails an Decken und Fußleisten, Luftdichtigkeit - das braucht Zeit und Erfahrung. Ein erfahrener Handwerker braucht 3-5 Tage für ein Zimmer von 20 m². Die Hälfte der Zeit geht für Vorarbeiten drauf: Risse abdichten, feuchte Stellen trocknen, Oberflächen vorbereiten. Wer das nicht macht, scheitert. Und das ist der Grund, warum 35% aller Innendämmungen scheitern - nicht wegen des Materials, sondern wegen der Ausführung.
Ein Nutzer aus Dresden berichtet auf Haus.de: „Nach der Sanierung mit Kalziumsilikatplatten und Kalkfeinputz sind die Schimmelstellen in meiner 1890er Villa komplett verschwunden. Die Heizkosten sind um 22% gesunken - von 1.850 € auf 1.443 € pro Jahr.“ Das ist kein Einzelfall. Laut TecTem® haben 92% ihrer Kunden nach zwei Jahren keine neuen Schimmelstellen. Die Investition lohnt sich - wenn sie richtig gemacht wird.
Was du unbedingt beachten musst
Kapillaraktive Dämmung ist kein Zauberstab. Sie ist kein Allheilmittel. Wenn deine Wand schon seit Jahren nass ist - weil ein Rohr undicht ist oder das Dach undicht ist - dann hilft dir keine Dämmung. Du musst zuerst die Ursache beseitigen. Das sagt auch Dr. Thomas Krämer vom Fraunhofer-Institut: „Altbauwände sind so gebaut, dass sie Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben. Eine funktionierende Dämmung muss dieses Prinzip respektieren.“Das bedeutet: Vor der Dämmung muss die Wand trocken sein. Das dauert oft zwei Monate. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) empfiehlt eine Trocknungsphase von mindestens 60 Tagen, bevor die Endbeschichtung aufgetragen wird. Sonst bleibt Feuchtigkeit eingeschlossen - und das System wird zum Schimmelverstärker.
Ein weiterer Fehler: Dampfbremsen. Bei konventioneller Dämmung braucht man sie. Bei kapillaraktiven Systemen nicht. Im Gegenteil: Eine Dampfbremse zwischen Wand und Dämmung ist ein Fehler. Die Feuchtigkeit muss nach außen hin diffusionsoffener werden - das ist das Prinzip der „differenzierten Diffusion“. Wenn du das falsch machst, wird die Feuchtigkeit nach innen gedrückt - genau dorthin, wo sie nicht hingehört.
Was du selbst machen kannst - und was nicht
Als Heimwerker: Ja, du kannst ein paar Platten kleben. Aber du kannst nicht die ganze Sanierung machen. Die Handwerkskammer München sagt: Nur 28% der selbst durchgeführten Innendämmungen sind nach zwei Jahren noch schimmelfrei. Die Fehler sind klein, aber fatal: eine falsch verklebte Ecke, ein ungedichteter Anschluss, eine zu dicke Spachtelschicht. Die Folge: Schimmel, der sich unter der Farbe verbirgt - bis du ihn siehst, ist es zu spät.Wenn du dich entscheidest, dann lass es von einem Fachmann machen. Suche nach einem Betrieb, der speziell auf Altbau-Sanierungen spezialisiert ist. Frag nach Referenzen. Frag nach der verwendeten Materialzertifizierung. Und frag nach der Trocknungsphase. Wer dir sagt „fertig in drei Tagen“, der weiß nicht, wovon er spricht.
Die Zukunft: Mehr Forschung, mehr Standards
Die EU-Richtlinie 2023/864 verlangt jetzt explizit, dass bei Sanierungen von historischen Gebäuden das Feuchtigkeitsmanagement berücksichtigt wird. Kapillaraktive Systeme sind die einzige Lösung, die das erfüllt. Hersteller wie Knauf haben bereits neue Produkte auf den Markt gebracht - mit 25% höherer Feuchtespeicherfähigkeit. In Dresden läuft seit Januar 2024 ein Forschungsprojekt der TU Dresden mit 1,2 Millionen Euro Fördergeld: „MoCapAltbau“ untersucht, wie diese Systeme unter extremen Wetterbedingungen langfristig funktionieren.Die Prognose ist klar: Bis 2027 wird der Anteil kapillaraktiver Systeme am Innendämmungsmarkt von 37% auf über 50% steigen. Es wird nicht mehr die Frage sein, ob du sie verwendest - sondern ob du es dir leisten kannst, es nicht zu tun.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du Schimmel in deinem Altbau hast:- Prüfe die Ursache: Ist die Wand nass von außen? Von oben? Von unten? Ein Rohrleck? Ein undichtes Dach? Das muss behoben werden - bevor du dämmst.
- Bestimme die Wandfeuchte: Mit einem Feuchtemesser. Wenn die Feuchte über 5% liegt, brauchst du eine Trocknungsphase - nicht eine Dämmung.
- Wähle das richtige Material: Kalziumsilikat für Standardwände, Aerogelputz für Platzmangel, Perlit für hohe Luftfeuchtigkeit.
- Wähle den richtigen Fachmann: Jemand, der Erfahrung mit Altbauten hat, nicht nur mit Neubauten.
- Wähle die richtige Endbeschichtung: Nur mineralische, diffusionsoffene Farben - keine Acryl- oder Latexfarben.
Du brauchst keine perfekte Lösung. Du brauchst eine nachhaltige. Und kapillaraktive Dämmung ist die einzige, die den Altbau nicht zerstört - sondern wieder lebendig macht.