Außenputz ausbessern: Haarrisse, Ausbrüche und Abplatzungen professionell reparieren

Außenputz ausbessern: Haarrisse, Ausbrüche und Abplatzungen professionell reparieren Jan, 27 2026

Warum Sie Außenputz-Schäden nicht ignorieren sollten

Ein paar feine Risse in der Fassade? Ein kleiner Abplatz hier, ein Ausbruch da? Viele Hausbesitzer denken, das ist nur kosmetisch. Doch das ist ein fataler Irrtum. Jeder Haarriss, jeder verlorene Putzsplitter ist ein Eintrittstor für Wasser. Und Wasser ist der größte Feind von Außenputz. Es dringt ein, friert im Winter aus, dehnt sich aus - und schon ist der Schaden größer als zuvor. In Dresden, wo Winter mit Frost bis zu -15 °C nicht selten sind, kann ein vernachlässigter Riss in weniger als einem Jahr zu einer ganzen Putzfläche führen, die abfällt. Laut der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGM) sind 68 % der Fassadenschäden in Deutschland auf unzureichende Reparaturen der Vorbesitzer zurückzuführen. Das heißt: Was damals als schnelle Lösung gedacht war, wird heute zur teuren Sanierung.

Was sind die häufigsten Schäden und wie erkennt man sie?

Nicht jeder Riss ist gleich. Die Art des Schadens bestimmt, wie er repariert werden muss.

  • Haarrisse (unter 1 mm): Diese feinen Linien sehen aus wie Spinnweben. Sie entstehen durch Temperaturschwankungen oder leichte Setzungen. Sie sind oft nur bei Sonnenlicht sichtbar.
  • Mittlere Risse (1-2 mm): Diese sind mit dem Auge klar zu erkennen. Sie können sich über mehrere Zentimeter ausbreiten. Hier beginnt das Wasser schon, in den Untergrund zu dringen.
  • Tiefe Risse (über 2 mm): Diese sind breit genug, um einen Finger in die Öffnung zu stecken. Sie deuten auf strukturelle Probleme hin - etwa Setzungen im Fundament oder falsch verarbeiteten Putz.
  • Ausbrüche und Abplatzungen: Hier ist Putz komplett abgefallen. Tiefe von unter 6 mm sind noch behandelbar, über 10 mm erfordern einen neuen Unterputz.

Ein einfacher Klopftest mit einem Gummhammer hilft, Hohlräume zu finden. Wo es hohl klingt, ist der Putz vom Mauerwerk abgelöst. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Reparatur nicht nur oberflächlich sein darf.

Die richtige Vorbereitung: Der wichtigste Schritt

Die meisten Reparaturen scheitern nicht am Material, sondern an der Vorbereitung. Dr. Thomas Meier vom Institut für Bauwerkserhaltung an der TU München sagt: „Die häufigste Fehlerquelle ist die unzureichende Reinigung.“

Bevor Sie irgendetwas auftragen, müssen Sie:

  1. Alle losen Putzreste mit Hammer und Meißel vollständig entfernen. Nicht nur die sichtbaren Stellen - bis zu einem festen Untergrund.
  2. Den Schadensbereich mit einer Drahtbürste oder einem Staubsauger von Staub, Schmutz und altem Putzresten befreien.
  3. Bei tiefen Rissen diese keilförmig erweitern. Mit einem Trennschleifer oder Meißel einen V-förmigen Schlitz schneiden. Das gibt der Reparaturmasse mehr Haltfläche - wie ein Nagel, der in einem breiten Loch hält.
  4. Die Stelle mit Tiefengrund streichen. Das ist kein normaler Anstrich. Tiefengrund dringt in die Poren ein, festigt den Untergrund und sorgt dafür, dass der Spachtel nicht abblättert.

Wichtig: Kein Wasser spritzen! Übermäßige Feuchtigkeit, besonders bei alten Kalkputzen, kann den Schaden verschlimmern. Wie Dipl.-Ing. Petra Schmidt von Properla warnt: „Zu viel Wasser löst die Bindung im Putz auf.“

Hand entfernt losen Putz mit Meißel und Hammer, um eine tiefe Rissstelle vorzubereiten.

Reparaturmethoden je nach Schadensgrad

Was nehmen Sie, wenn? Hier die klare Orientierung.

Haarrisse unter 1 mm: Spachtelmasse mit Farbe

Ein einfacher Fassadenspachtel reicht. Produkte wie der Außen Reparatur Moltofill von Molto sind speziell für diese Anwendung entwickelt. Sie sind flexibel, haften gut und lassen sich leicht verstreichen. Der Preis liegt bei etwa 10 Euro pro 15 cm breiter Tube. Wichtig: Die Masse muss mit Abtönpaste eingefärbt werden, sonst leuchtet die Reparaturstelle später heller oder dunkler als der Rest der Fassade. Die verarbeitungsfähige Zeit beträgt 4-5 Stunden - nutzen Sie die Zeit, um alle Risse auf einmal zu bearbeiten.

Mittlere Risse (1-2 mm): Gummimörtel mit Fasern

Normale Spachtelmasse reicht hier nicht. Die Risse dehnen und ziehen sich mit Temperaturschwankungen. Deshalb brauchen Sie einen flexiblen Mörtel mit Kautschuk und Kunststofffasern. Solche Produkte wie der Sakret Fassaden-Reparaturmörtel dehnen sich mit, ohne zu reißen. Sie kosten etwa 7,50 Euro pro Kilogramm. Mischen Sie 1 kg mit 0,3 Liter kaltem Wasser - nicht mehr, nicht weniger. Zu viel Wasser macht die Masse brüchig. Tragen Sie in einer Schicht auf, glätten Sie mit einem feuchten Spachtel. Trocknungszeit: mindestens 14 Tage, bevor Sie weiterarbeiten.

Tiefe Risse über 2 mm: Zwei Schichten mit Armierung

Einmal auftragen reicht nicht. Hier brauchen Sie zwei Schichten, jede max. 4 mm dick. Dazwischen: Armierungsgewebe. Ein spezielles Glasfaser- oder Polyester-Gewebe, das Sie zwischen den beiden Putzschichten einbetten. Eine Studie der Fachhochschule München belegt: Das erhöht die Zugfestigkeit um bis zu 40 %. Das Gewebe kostet etwa 3,50 Euro pro Quadratmeter - ein kleiner Preis für eine dauerhafte Lösung. Ohne Gewebe: Die Risse kommen nach 6-12 Monaten zurück, wie viele Heimwerker auf Reddit berichten.

Ausbrüche: Je nach Tiefe anders reparieren

  • Unter 6 mm: Einlagiger Auftrag mit Außenhaftputz, z. B. Baumit Fixit.
  • 6-10 mm: Zwei Schichten Außenhaftputz. Zwischen den Schichten 24 Stunden Trocknungszeit einhalten.
  • Über 10 mm: Zuerst einen Kalk-Zement-Unterputz wie MAP/650 einbringen. Danach erst den Oberputz auftragen. Dieser Schritt ist nur mit Erfahrung zu empfehlen.

Was funktioniert nicht?

Es gibt viele DIY-Tipps im Internet - die meisten sind gefährlich.

  • Acryl-Mischung 1:4 (Acryl:Wasser): Schnell, aber nur für oberflächliche Haarrisse. Bei tieferen Schäden bricht die Masse nach wenigen Wochen. Ein Nutzer auf Hornbach berichtet: „Nach 3 Wochen war der Riss wieder da.“
  • Normale Innenspachtelmasse: Die ist nicht wetterfest. Sie wird brüchig, löst sich ab und zieht Schimmel an.
  • Putz mit Zementmörtel auf Kalkputz aufbringen: Ein klassischer Fehler. Kalkputz atmet, Zement nicht. Das führt zu Blasenbildung und Ablösung.

Materialkosten und Zeitbedarf

Wie viel kostet eine Reparatur? Und wie lange dauert sie?

Die Materialkosten liegen je nach Methode zwischen 12,50 und 28,70 Euro pro Quadratmeter. Der Durchschnitt liegt bei 18,50 Euro/m². Das ist deutlich günstiger als eine komplette Fassadensanierung, die 40-60 Euro/m² kostet.

Zeitaufwand: Für 1 m² mit mittleren Rissen brauchen Sie etwa 45-60 Minuten Arbeit. Dazu kommen 14 Tage Trockenzeit. Keine Eile! Wenn Sie nach 3 Tagen weiterstreichen, bricht der neue Putz. Die meisten Fehler passieren, weil Leute zu schnell sind.

Querschnitt einer reparierten Fassade mit Armierungsgewebe und Roboter, der Feuchtigkeit misst.

Neue Trends: Smarte Putze und Roboter

Die Technik macht Fortschritte. Baumit hat 2023 Baumit SmartRepair eingeführt - ein Putz, der bei Feuchtigkeit von weiß nach gelb wechselt. So sehen Sie, wo Wasser eindringt, bevor der Schaden sichtbar wird. In der Zukunft könnten Roboter Fassaden scannen und Risse automatisch reparieren - wie das Fraunhofer-Institut prognostiziert. Doch für den kleinen Schaden bleibt das Handwerk König. Die einfachen, bewährten Methoden sind immer noch die kostengünstigsten und zuverlässigsten.

Wann sollten Sie einen Profi holen?

Sie können viel selbst machen - aber nicht alles. Holen Sie einen Fachmann, wenn:

  • Die Risse sich über mehrere Stockwerke erstrecken.
  • Die Mauerwerksteine selbst Risse haben.
  • Der Putz an mehr als 10 % der Fassade abfällt.
  • Es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt - da gelten strenge Materialvorgaben.

Die Zahl der Fachbetriebe in Deutschland ist in den letzten fünf Jahren um 15,3 % gestiegen. Das zeigt: Die Nachfrage nach professionellen Reparaturen wächst. Und zu Recht. Denn eine falsche Reparatur kann die Bausubstanz langfristig schädigen.

Langfristige Wirkung: Was bringt eine gute Reparatur?

Die Langzeitstudie der TU München mit 350 Gebäuden zeigt: Eine korrekte Reparatur verlängert die Lebensdauer des Außenputzes um 12-15 Jahre. Das ist nicht nur eine finanzielle Einsparung - es ist auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. Jeder Quadratmeter, den Sie retten, verhindert neue Materialproduktion, Abfall und Energieverbrauch.

Wenn Sie jetzt handeln, sparen Sie später Tausende. Ein kleiner Riss heute kann morgen ein ganzer Putzverlust sein. Aber mit den richtigen Materialien, der richtigen Technik und genug Geduld - können Sie das verhindern.

Kann ich einen Haarriss mit Silikon füllen?

Nein. Silikon ist nicht für Außenputz geeignet. Es ist zu elastisch, haftet nicht gut auf mineralischen Oberflächen und verfärbt sich schnell durch UV-Licht. Außerdem zieht es Schmutz an und wird nach einigen Monaten schwarz. Es ist eine kurzfristige Lösung, die den Schaden verschlimmert.

Wie lange hält eine selbstgemachte Putzreparatur?

Eine korrekt durchgeführte Reparatur hält 10-15 Jahre, wenn Sie die richtigen Materialien verwenden und die Trocknungszeiten einhalten. Wenn Sie nur oberflächlich arbeiten, kann sie nach 6-12 Monaten wieder rissig sein. Der Schlüssel ist die Vorbereitung - nicht das Produkt.

Muss ich die ganze Fassade neu streichen, nachdem ich repariert habe?

Nicht unbedingt. Wenn Sie die Reparaturmasse mit Abtönpaste farblich genau anpassen, kann man die Stelle nach dem Trocknen kaum erkennen. Bei größeren Flächen oder alten Putzen ist ein kompletter Anstrich jedoch sinnvoll, um ein einheitliches Erscheinungsbild zu erzielen.

Welche Wetterbedingungen sind ideal für die Reparatur?

Ideale Bedingungen sind trockenes Wetter, Temperaturen zwischen 5 und 20 °C und keine direkte Sonneneinstrahlung. Bei Hitze trocknet die Masse zu schnell und reißt. Bei Frost kann sie nicht aushärten. Die besten Zeiten sind Frühling und Herbst - besonders in Dresden, wo die Luftfeuchtigkeit oft hoch ist.

Warum sollte ich ein Rissmessgerät benutzen?

Ein Rissmessgerät misst die Breite bis auf 0,1 mm genau. Das entscheidet, ob Sie nur Spachtel brauchen oder Armierungsgewebe. Ein Riss von 1,8 mm ist schon ein Mittelriss - kein Haarriss mehr. Ohne Messgerät raten Sie - und das führt oft zu falschen Entscheidungen.

Ist ein Putz mit Kalk besser als einer mit Zement?

Kalkputz atmet besser und ist umweltfreundlicher, aber er ist weicher und anfälliger für mechanische Belastung. Zementputz ist härter, aber weniger diffusionsoffen. Beide sind in Ordnung - wichtig ist, dass der Reparaturputz dem Unterputz entspricht. Nie Zement auf Kalk auftragen - das führt zu Ablösung.

3 Kommentare

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    Philipp Cherubim

    Januar 27, 2026 AT 09:32

    Endlich mal ein Artikel, der nicht nur sagt 'mach das' sondern auch warum. Ich hab letztes Jahr einen Abplatz von 8 mm mit normaler Innenspachtelmasse geflickt – und ja, nach drei Monaten war’s wieder weg. Jetzt hab ich’s richtig gemacht mit Baumit Fixit und Tiefengrund. Läuft wie geschmiert.

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    Conor Gallagher

    Januar 27, 2026 AT 22:01

    Es ist erstaunlich, wie viele Menschen glauben, dass Bauwerke wie Smartphones funktionieren – einfach neu starten und alles ist gut. Aber nein, Putz ist kein App, der sich aktualisiert. Er atmet, er reagiert auf Temperatur, er braucht Zeit. Und wenn du das ignorierst, wird er dich ignorieren – und das Haus wird dir danken, indem es anfängt, Stücke abzugeben. Ich hab in Irland Häuser gesehen, die nach 15 Jahren ohne Wartung wie alte Knochen aussehen. Nicht schön. Nicht nachhaltig.

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    Bertrand Deweer

    Januar 29, 2026 AT 00:30

    Oh wow, endlich jemand, der nicht nur ‘Silikon ist schlecht’ schreibt, sondern auch erklärt WARUM. Ich hab letzte Woche einen Typen gesehen, der mit Silikon aus der Dose seine Fassade verziert hat – wie ein kranker Künstler. Jetzt sieht’s aus wie eine Spinnenweben-Installation im Dauerregen. Ich hab ihm gesagt, er soll lieber ein Bild von seiner Fassade auf Instagram posten und ‘#RenovationGoneWrong’ draufschreiben. Er hat’s getan. 12.000 Likes. Tragisch.

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